© Luiza Puiu

CODE OF CONDUCT

Ethische Ergänzung zur Betriebsvereinbarung des Landestheaters Niederösterreich für „Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“

Ein Code of Conduct (CoC) beschreibt, wie Menschen miteinander arbeiten. Das Arbeiten am Theater hat einige Besonderheiten. Alle Menschen sollen sich bei uns respektvoll verhalten. Uns ist es wichtig, dass wir füreinander einstehen. Wir gehen davon aus, dass Fehler eingesehen und korrigiert werden können.

Wir machen am Landestheater Niederösterreich gemeinsam Kunst. Wir tun das mit unseren jeweiligen Mitteln, mit wohlwollender, gewaltfreier Kommunikation, in respektvoller Einhaltung der eigenen Grenzen und derer Anderer. Wir machen Theater in einer und für eine sich stets wandelnde Gesellschaft. Wir zeigen Haltung und geben grundlegende künstlerische Impulse. Wir suchen zu verstehen und zu zeigen, was ist und was sein könnte und sollte. Letzteres nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der tagtäglichen Arbeit. Theaterarbeit findet in zwischenmenschlich zugewandter, intensiver, konzentrierter und emotional beanspruchender Begegnung statt. Unsere Arbeit hat eine von Würde und Respekt getragene Haltung; wir bemühen uns um achtsame, klare und vertrauensvolle Kommunikation; wir begegnen uns wohlwollend und wertschätzend und ermutigen uns gegenseitig, jede Form von Übergriff oder Diskriminierung zu unterbinden. Dieser Wandel im Miteinander ist auch ein Abschied von alten Gewohnheiten und Annahmen, die unserem Verhalten noch zugrunde liegen können. 

Jede und jeder Einzelne von uns hat die Verantwortung, die Auswirkungen des eigenen Handelns zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn wir die Reaktion erhalten, dass wir (auch unbeabsichtigt) jemandem Unbehagen bereitet haben, verpflichten wir uns, jedes beleidigende Verhalten sofort zu ändern. Das wird zuweilen unbequem sein. Da wir alle gemeinsam neue Verhaltensweisen lernen, werden wir Fehler machen. Aber wir wissen, dass der Weg zur Verbesserung gemeinschaftlicher Arbeit über diesen Vorsatz und seine Umsetzung führt. 

Dieses Dokument verpflichtet sich natürlich der Allgemeinen Erklärung Menschenrechte, den Arbeitsgesetzen und den Bestimmungen der Antidiskriminierung und der Gleichstellung. Es dient der Erinnerung daran, welche Werte wir in unserer Arbeit und in unseren Begegnungen miteinander leben wollen. Unabhängig von ihrer Position und Aufgabe gilt dieses Dokument für Alle, die hier arbeiten.

Ethische Leitlinien

Begegnung

Ich begegne anderen respektvoll, achtsam, zugewandt und höflich –im Bewusstsein unser aller Gleichwertigkeit und unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Behinderung, Herkunft, sexueller Orientierung und Beruf. Temperament ist keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen. Humor auf Kosten anderer ist nicht lustig, sondern verletzend und entwürdigend. Ich achte darauf und werde aktiv, wenn ich Zeug*in von unangebrachtem Verhalten werde.

Kommunikation

Ich kommuniziere offen, wohlwollend und klar. Ich erwarte nicht, dass mein Gegenüber Gedanken lesen kann. Meine Haltung ist lösungsorientiert, nicht fehler-, mängel- oder schuldorientiert. Ich bemühe mich um effektives und effizientes Kommunizieren, formuliere Feedback konstruktiv und empathisch.

körperliche Nähe und Berührungen

Bühnenkunst ist körperlich. Sie bedient sich als Ausdrucksmittel auch der Intimität und der (kontrollierten) Grenzüberschreitung. Ich mache mir den Unterschied zwischen verschiedenen Begegnungsräumen bewusst. Unterschiedliche Räume und Situationen erfordern unterschiedliche Absprachen. Ich trenne zwischen dem, was innerhalb und außerhalb der künstlerischen Arbeit erlaubt und angebracht ist. Ich missbrauche die Freiräume der Kunst nicht. Wenn ich nicht weiß, ob körperliche Nähe und / oder Berührung auf Konsens beruht, frage ich. Wenn ich die Rückmeldung erhalte, dass mein Verhalten als unangemessen empfunden wird, ändere ich es.

Konflikt

Konflikte können ein Teil des kreativen Arbeitsprozesses sein, solange sie nicht destruktiv ausgetragen werden. Gerade im Konflikt bleibe ich offen, zugewandt und fair. Ich kommuniziere gewaltfrei und in Ich-Botschaften, bin mir der Relativität meiner Wahrnehmung bewusst und gehe davon aus, dass die andere Person gute Gründe für ihre Sichtweise hat. Ich verzichte selbstverständlich auf persönliche Attacken, Kränkungen und Demütigungen. Nicht jeder Konflikt ist lösbar, aber regelbar in jedem Fall. Sollte sich keine Lösung finden, bemühe ich mich um Hilfe durch Kolleg*innen, Vorgesetzte, den Betriebsrat oder Konfliktlots*innen.

Zeit

Ich gehe respektvoll mit der Zeit Anderer um. Ich bin grundsätzlich pünktlich, halte mich an Verabredungen und Termine und kommuniziere notwendige Änderungen rechtzeitig. Wenn ich Besprechungen plane, informiere ich alle Beteiligten über Inhalt und Ziel. Wenn Entscheidungen nicht im Rahmen der Besprechung getroffen werden (können), informiere ich die Beteiligten über das weitere Vorgehen. Ich bin mir bewusst, dass Zeit die knappste Ressource in unserer Arbeit ist und respektiere die Kapazitäten aller Beteiligten. Selbstverständlich halte ich mich dabei an das Arbeitszeitgesetz und unterstütze meine Kolleg*innen dabei, ihre Grenzen einzuhalten und ihre Arbeit sozial nachhaltig zu gestalten.

Führungskräfte

Als Führungskraft bin ich mir meiner besonderen Verantwortung für die Einhaltung und Umsetzung der im CoC vereinbarten Regeln bewusst. Ich habe eine besondere Vorbildfunktion und bin gesetzlich zum Schutz der Mitarbeiter*innen verpflichtet. Ich gehe verantwortungsvoll mit der mir übertragenen Macht um und bin mir bewusst, dass jede missbräuchliche Anwendung der Hierarchie in Form von Benachteiligung oder Begünstigung, Verlangen von außerberuflichen Leistungen, Diensten und Zuwendungen völlig inakzeptabel ist. Das Landestheater Niederösterreich verpflichtet sich hierin zu einer Null-Toleranz Politik.

Information

Grundsätzlich gebe ich Information. Grundsätzlich hole ich in meiner Dienstzeit relevante Information ein.

Rechtliche Leitlinien

Für strafrechtlich relevante Verhaltensweisen ist im Landestheater Niederösterreich kein Platz.

Darunter fallen:
Mobbing
Macht- und Abhängigkeitsmissbrauch
Gewalt
Sexuelle Belästigung und Übergriffe
Diskriminierung

Bei der Beschäftigung von Kindern ist besonders darauf zu achten, dass sie weder in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit und Entwicklung, noch in ihrer Sittlichkeit gefährdet sind. Zu ihrem Schutz gelten spezielle Regeln.

Wir, die am Landestheater Niederösterreich arbeiten, verpflichten uns in all diesen Punkten zu einer Null-Toleranz-Politik, deren Einhaltung in letzter Instanz von der Geschäftsführung durchgesetzt wird.

Grundlagen dafür sind das „Leitbild für Zusammenarbeit und Führung in der NÖKU-Gruppe“ und die Betriebsvereinbarung „Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“.

Verweise auf andere Rechtsquellen sind im Dokument „Zusammenfassung der rechtlich relevanten Bestimmungen.docx” zusammengefasst.

Alle Gesetzestexte sind auch online verfügbar.

Gleichbehandlungsgesetz
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003395

Niederösterreichisches Kinder- und Jugendschutzgesetz
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrNO&Gesetzesnummer=20000556

Dieser CoC entstand im Zeitraum Mai bis Juni 2025 in einem offenen, gemeinsamen, abteilungsübergreifenden Prozess im Rahmen mehrerer moderierter Workshops. Wir verstehen ihn als lebendes Dokument, das selbstverständlich bei Bedarf weiterentwickelt und angepasst wird.

Anlaufstellen im Landestheater:

Konfliktlots*innen
Klara Weyerer
Mobil: 066460499 665
Mail: klara.weyerer@landestheater.net
Di-Fr 7-17

Felix Dietlinger
Mobil: 06506354042
Mail: felix.dietlinger@landestheater.net
Di- Sat

Euer Betriebsrat

Anlaufstellen in der Nöku:

Ombudsstelle
ombudsstelle@noeku.at

Alexander Hauer
Mobil: 066460499 555
Mail: alexander.hauer@wachaukulturmelk.at

Roswitha Wallisch-Gepart
Mobil: 066460499759
Mail: roswitha.wallisch-gepart@tonkuenstler.at

 

CODE OF CONDUCT

Ethical supplement to the works agreement of Landestheater Niederösterreich for "Cooperative behavior in the workplace"

A Code of Conduct (CoC) describes how people work together. Working in theater has some specifics. Everyone should behave respectfully towards each other. It is important to us that we stand up for each other. We acknowledge that mistakes can be recognized and corrected.

At Landestheater Niederösterreich, we create art together. We do this with our individual resources, with benevolent, non-violent communication, and with respectful awareness of our own boundaries and those of others. We make theater in an - and for an - ever-changing society.

We take a stand and provide fundamental artistic inspiration. We seek to understand and show what is and what could and should be. The latter not only on stage, but also in our daily work. Theatre work takes place in interpersonal, intense, concentrated and emotionally demanding encounters. Our work is based on dignity and respect; we strive for mindful, clear and trusting communication; we treat each other with kindness and appreciation and encourage each other to prevent any form of abuse or discrimination.

This change in how we interact with each other also means saying goodbye to old habits and assumptions that may still underlie our behavior. Each and every one of us has a responsibility to recognize the effects of our own actions and to address them. If we receive feedback that we have caused someone discomfort (even unintentionally), we commit to immediately changing any offensive behavior. 

This will sometimes be uncomfortable. As we all learn new behaviors together, we will make mistakes. But we know that the way to improving collaborative work lies in this commitment and its implementation.

This document is, of course, committed to the Universal Declaration of Human Rights, labor laws, and anti-discrimination and equality regulations. It serves as a reminder of the values we want to live by in our work and in our interactions with each other. Regardless of their position and role, this document applies to everyone who works here.

Ethical guidelines

Encounter

I treat others with respect, attentiveness, warmth, and courtesy—while being aware of our equal value and regardless of gender, age, religion, disability, origin, sexual orientation, and profession. Temperament is no excuse for bad behavior. Humor at the expense of others is not funny, but hurtful and degrading. I pay attention to this and take action when I witness inappropriate behavior.

Communication

I communicate openly, kindly, and clearly. I do not expect my counterpart to be able to read my mind. My attitude is solution-oriented, not focused on mistakes, shortcomings, or blame. I strive to communicate effectively and efficiently, and I formulate feedback in a constructive and empathetic manner.

Physical proximity and touch

Performing arts are physical. They also use intimacy and (controlled) boundary violation as means of expression. I am aware of the distinction between different spaces for encounters. Different spaces and situations require different agreements. I distinguish between what is permitted and appropriate within and outside of artistic work. I do not abuse the freedom of art. If I am unsure whether physical closeness and/or touching is consensual, I ask. If I receive feedback that my behavior is perceived as inappropriate, I change it.

Conflict

Conflicts can be part of the creative work process as long as they are not destructive. Especially in conflict, I remain open, attentive, and fair. I communicate nonviolently and in "I" messages. I am aware of the relativity of my perception, and assume that the other person has good reasons for their point of view. I naturally refrain from personal attacks, insults, and humiliation. Not every conflict can be resolved, but it can always be managed. If no solution can be found, I seek help from colleagues, supervisors, the works council (Betriebsrat), or conflict mediators.

Time

I treat other people's time with respect. I am always punctual, keep appointments and deadlines, and communicate any necessary changes in time. When I plan meetings, I inform all participants about the meetings` content and objective. If decisions cannot be made during the meeting, I inform the participants about the next steps. I am aware that time is the scarcest resource in our work and respect the capacities of all those involved. It goes without saying that I comply with the Working Hours Act and support my colleagues in maintaining their boundaries and making their work socially sustainable.

Managers

As a manager, I am aware of my special responsibility for complying with and implementing the rules agreed on in the CoC. I have a special role model function and am legally obliged to protect employees. I exercise the power entrusted to me responsibly and am aware that any abuse of hierarchy in the form of discrimination or favoritism, demands for non-work-related services, favors, or gifts is completely unacceptable. The Landestheater Niederösterreich is committed to a zero-tolerance policy in this regard.

Information

As a matter of principle, I provide information. I always obtain relevant information during my working hours.

Legal guidelines

At Landestheater Niederösterreich there is no place for criminally relevant behavior.

This includes:
Bullying
Abuse of power and dependency
Violence
Sexual harassment and assault
Discrimination

When employing children, particular care must be taken to ensure that their physical and mental health and development, as well as their morals, are not endangered. Special rules apply for their protection.

We, the employees of the Landestheater Niederösterreich, are committed to a zero-tolerance policy on all these points. Ultimately, compliance will be enforced by the management. The basis for this is the "Model for Cooperation and Leadership in the NÖKU Group" and the works agreement "Cooperative Behavior in the Workplace".

References to other legal sources are collected in the document "Summary of legally relevant regulations.docx." All legal texts are also available online.

Equal Treatment Act
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003395

Lower Austria Child and Youth Protection Act
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrNO&Gesetzesnummer=20000556

Contact points at the Landestheater:

Conflict mediators
Klara Weyerer
Mobil: 066460499 665
Mail: klara.weyerer@landestheater.net
Tue-Fr 7-17

Felix Dietlinger
Mobil: 06506354042
Mail: felix.dietlinger@landestheater.net
Tue- Sat

Contact points at Nöku:
Ombudsstelle 
ombudsstelle@noeku.at

Alexander Hauer
Mobil: 066460499 555
Mail: alexander.hauer@wachaukulturmelk.at

Roswitha Wallisch-Gepart
Mobil: 066460499759
Mail: roswitha.wallisch-gepart@tonkuenstler.at

Your works council

This CoC was developed between May and June 2025 in an open, collaborative, cross-departmental process involving several moderated workshops. We see it as a living document that will naturally be further developed and adapted as necessary.

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