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Interview mit Natascha Strobl

Ein Gespräch mit der österreichischen Politikwissenschaftlerin und Expertin für Rechtsextremismus und neue rechtsextreme Bewegungen Natascha Strobl

„Solidarität muss die Basis für jedes Aufbegehren sein“

„Es ist nicht angenehm, in einer Zeit zu leben, in der das Alte untergeht und das Neue noch nicht da ist. Darauf mit dem Versuch zu reagieren, zu einer verklärten Normalität zurückzukehren und die Vergangenheit zu idealisieren, ist verlockend. Doch wenn wir ehrlich sind, hat auch schon diese Normalität nicht funktioniert. Vielmehr hat sie erst das Jetzt hervorgebracht.“

Natascha Strobl „Radikaler Konservatismus“ (2021)

In Ihrem Buch „Radikaler Konservatismus“ ist oben genanntes Zitat zu finden. 
Was genau meinen Sie mit „verklärten Normalität“?

Wir tendieren dazu die Krisen und Unsicherheiten der Vergangenheit zu vergessen und diese zu verklären. Dabei speist sich die Gegenwart immer aus der Vergangenheit. Unsere vielen Krisen waren in der nostalgisch verklärten Vergangenheit längst angelegt, etwa in der Durchsetzung des Neoliberalismus. Deswegen kann es nur nach vorne und nicht zurück in eine Vergangenheit gehen, wenn man Dinge zum Besseren wenden will.

Zu Beginn der Erzählung „Animal Farm“ spricht der alte Eber Old Major zu den Tieren und rät ihnen zur Rebellion: „Ich weiß nicht, wann diese Rebellion kommen wird, vielleicht in einer Woche oder in hundert Jahren, doch ich weiß gewiss, dass früher oder später Gerechtigkeit geübt werden wird.“ 

Wie denken Sie, könnte gegenwärtig eine solche Rebellion aussehen? 

Ich denke wir erleben längst viele kleine und große Rebellionen. Wenn wir uns die mutigen Menschen in Serbien oder im Iran ansehen, dann ist das gar nicht so anders, als auch vor 100 Jahren. Viele Menschen beschließen, dass sie die Zustände nicht mehr akzeptieren und gehen auf die Straße. Wir erleben aber auch viele kleine Rebellionen, etwa wenn Menschen in den USA sich zusammentun, um ihre Nachbarn und Nachbarinnen vor Übergriffen durch Regierungsbehörden zu schützen. Die Rebellionen sind längst da.

Inwiefern hätten die Tiere sich gegen die Herrschaft der Schweine wehren können, wenn sie sich stärker untereinander solidarisiert hätten? Welche Vorschläge machen Sie in Ihrem Buch „Solidarität“, um der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die autoritäre Systeme bei den Bürger*innen auslösen können, etwas entgegenzusetzen?

Solidarität ist die sehr pragmatische Erkenntnis, dass kein Mensch allein ein ganzes System verändern kann. Die meisten Menschen haben keinen Einfluss, keine Macht und auch keine Vermögen, das ihnen erlaubt sich Macht zu kaufen. Wir sind soziale Wesen und auf andere Menschen angewiesen. Diese Einsicht hat etwas Tröstliches. Die ganze Geschichte der Menschheit ist auf Kooperationen und Zusammenschlüssen aufgebaut. Solidarität ist also auch eine Überlebensstrategie. Dementsprechend muss sie die Basis für jedes Aufbegehren gegen Autoritarismus sein.

Eignet sich George Orwells Tierparabel auch um gegenwärtige Verhältnisse zu erklären? Was können wir daraus lernen?

Orwell ist aktueller denn je. In „Farm der Tiere“ können wir gut beobachten, wie Sprache als Herrschaftsinstrument eingesetzt wird. Dieses Umdeuten von zeitlosen Werten wie Gleichheit oder Freiheit erleben wir auch heute. Freiheit ist dann kein universelles Recht eines jeden Menschen, sondern wird zum Recht des Stärkeren. Orwell hat das schon vor über 80 Jahren erkannt, als er genau diese Art der Herrschaftsausübung täglich mitansehen musste.

Können Sie erklären, wie Autoritarismus durch den Kapitalismus begünstigt werden kann?

Kapitalismus ist per se eine autoritäre Ideologie, da sie den Sozialdarwinismus als Basis hat. Er geht immer davon aus, dass wir in permanenter Konkurrenz zueinanderstehen müssen und nur einer der Gewinner sein kann. Es gibt keinen zweiten Platz, sondern nur viele Verlierer. Das widerspricht direkt dem kooperativen und solidarischen und kollektiven Gedanken, der der Geschichte der menschlichen Zivilisation innewohnt. Dementsprechend vereinzelt und fragmentiert er uns und laugt uns aus.

Denken Sie, dass Literatur oder auch Theater die Welt oder zumindest die Menschen verändern kann?

Kunst kann vielleicht nicht die Welt retten, aber sie kann sie zumindest erklären und Reflexionsräume anbieten. Und in einer Welt, die von Atemlosigkeit und Überforderung geprägt ist, sind das sehr wertvolle, weil rare Eigenschaften.

Liebe Frau Strobl, wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre Zeit und die aufschlussreichen Antworten! 

Textnachweis:
Das Interview mit Natascha Strobl ist ein Originalbeitrag für das Programmheft von „Animal Farm“ und wurde schriftlich im Januar 2026 geführt. Die Fragen stellt Sabrina Hofer.

    Fr, 13. Februar 2026
    19:30 Uhr
    - 20:55 Uhr
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    Fr, 13. Februar 2026
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    Ein Märchen
    von George Orwell, in einer Übersetzung von Michael Walter
    Landestheater Niederösterreich Theaterwerkstatt

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    Sa, 14. Februar 2026
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