Interview mit Jonathan Heidorn
„Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“ Regisseur Jonathan Heidorn wird ANIMAL FARM am Landestheater für die Gegenwart adaptieren. Vorab haben wir ihm ein paar Fragen zu seiner Inszenierung gestellt.Die Fabel des britischen Schriftstellers und Journalisten George Orwell kommt so harmlos wie ein Märchen daher, umso schlagkräftiger wirkt das Ende der Geschichte. Orwells Meisterwerk aus dem Jahre 1945 ist längst nicht mehr nur als Kritik an der ehemaligen Sowjetunion zu lesen, sondern verdeutlicht, wie Gesellschaftsentwürfe zu Dystopien verkommen, wenn die ursprünglichen Ideale von einigen wenigen aus Egoismus verraten und ins Gegenteil verkehrt werden: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“ Wir sprachen mit Regisseur Jonathan Heidorn über seinen Zugang zu dieser Politsatire und die Herausforderungen den Text auf der Bühne darzustellen:
Was ist das Besondere für dich an diesem Text?
George Orwell gelingt es, eine scheinbar komplexe politische Entwicklung und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Entwicklungen sehr verständlich und märchenhaft zu erzählen. Indem er in „Animal Farm“ Menschen in Tiere verwandelt und einen ganzen Staat in einen überschaubaren Bauernhof, wird im Kleinen plötzlich sichtbar, was für uns im Großen manchmal schwer zu erkennen ist. Das war auch der Reiz für uns, diesen Stoff fürs Theater zu adaptieren.
Was können wir aus dieser Parabel für die Gegenwart lernen?
Bereits in der Vorbereitung ist mir aufgefallen, dass der Stoff nichts von seiner Aktualität verloren hat. Mein künstlerisches Team und ich waren eher erschrocken, wie viele Parallelen wir zu aktuellen Entwicklungen entdecken konnten. Vor allem das Verhalten der Schweine erinnert, in der Art und Weise wie sie sprechen und die Wirklichkeit verzerren, umdeuten und neugestalten, an gegenwärtige autoritäre Strömungen, die unsere demokratischen Werte, wie Gleichheit, Solidarität und Toleranz in Frage stellen. In der Inszenierung untersuchen wir daher insbesondere, welche Kippmomente auf dem Weg von einer freiheitlichen Gesellschaft, hin zu einem totalitären System, auszumachen sind.
Wie gehst du mit dem Umstand um, dass die Tierfiguren von Menschen verkörpert werden?
Da Tiere nicht einer menschlichen Psychologie oder Logik folgen, bietet sich hier für uns an, mit Überhöhungen und Stereotypen zu spielen und die einzelnen Figuren auf ihre Funktionen im gesellschaftlichen Zusammenspiel zu untersuchen. Auf den Proben haben wir entdeckt, dass in den Tieren auch stets etwas humoristisches, niedliches, naives steckt, was schnell auch in etwas animalisches, unkontrolliertes und brutales umkippen kann. Mit diesen Extremen lässt sich gut eine verdichtete Entwicklung untersuchen und erzählen, in der das Handeln im Fokus steht.
ANIMAL FARM feiert am Samstag, den 24. Jänner 2026, am Landestheater Niederösterreich Premiere.
Mit Tobias Artner, Katharina Rose, Marthe Lola Deutschmann, Sven Kaschte
Regie Jonathan Heidorn
Bühne und Kostüme Thorben Schumüller
Dramaturgie Sabrina Hofer