Einführung / Kurzbeschreibung

von Irina Kastrinidis
URAUFFÜHRUNG

Die leuchtende Farbe des Meeres, der Wind, die Sonne, der ewig blaue Himmel und der Duft des Südens erfüllen die Atmosphäre des vielstimmigen Monologes „Schwarzes Meer“ von Irina Kastrinidis. Die Schweizer Autorin mit griechischen Wurzeln verdichtet darin die Suche der Protagonistin Elefteria nach ihrer Herkunft, dem Schicksal ihrer Familie am Schwarzen Meer und einer verlorenen Liebe. Irina Kastrinidis erzählt von menschlichen Schicksalen, sie verweist auf ein dunkles, vergessenes Kapitel der europäischen Geschichte. Im Griechisch-Türkischen Krieg wurden bis 1923 die Pontosgriechen ermordet und zwangsdeportiert. Heute leben viele im Exil in ganz Europa verstreut: „Adressen ungewiss“.

Frank Castorf, weltweit bekannt für seine stilprägenden Inszenierungen seit seiner Intendanz an der Berliner Volksbühne und Nestroypreisträger für das Lebenswerk, erhielt nach der Uraufführung von „Schwarzes Meer“ viel Jubel bei Publikum und Presse für seine „ungewöhnlich behutsame Inszenierung“ („Die deutsche Bühne“). Er ist einer der einflussreichsten Theaterregisseure der Gegenwart. Zuletzt inszenierte er u.a. am Burgtheater Wien, an der Wiener Staatsoper, am Schauspielhaus Hamburg und am Berliner Ensemble.

Pressestimmen

KURIER (Thomas Trenkler)

„Frank Castorf brachte am Samstag den Monolog „Schwarzes Meer“ von Irina Kastrinidis […] zur bejubelten Uraufführung; Julia Kreusch leistete Unglaubliches.“

„Der Text überzeugt: In einer rhythmisierten, an die Epen von Homer erinnernden Sprache verarbeitet die Autorin eine Liebensbeziehung […] und die Geschichte ihrer Familie, die 1923 in der von den Siegermächten erzwungenen Ordnung nach dem ersten Weltkrieg aus der Türkei vertrieben wurde.“

„Castorf tut alles, um die Sogwirkung zu verstärken. Er stellt sich nicht über den Text, er zertrümmert ihn nicht, […] er nähert sich ihm mit einer ungeheuren, nicht bekannten Ernsthaftigkeit.“

„Alle sind gebannt sitzen geblieben. Ein ganz großer Abend.“

DER STANDARD (Ronald Pohl)

„Zweieinhalb göttliche Theaterstunden.“

„Der frenetische Jubel galt einer ingeniösen Schauspielerin. Und Castorf? Hat nun auch die niederösterreichische Landeshauptstadt im Sturm eingenommen.“

SALZBURGER NACHRICHTEN (Juliane Fischer)

„Einnehmende schauspielerische Meisterleistung von Julia Kreusch in der Hauptrolle.“

„Kreusch schauspielert sich die Seele aus dem Leib. Eindringlich, kompromisslos, textsicher.“

„Unsere Begrifflichkeit ist ohne antike Philosophie kaum denkbar. Der Umgang mit Theater, mit Zukunftsvorstellung und Vergangenheitsbewältigung ebenso. Warum soll das in St. Pölten nicht gelten? Ein Ausflug zahlt sich jedenfalls aus.“

DIE PRESSE (Norbert Mayer)

„Starker von Jubel begleiteter Applaus bei der Premiere von „Schwarzes Meer“

„Diese Frau hat eine fantastische Eleftheria gegeben. Der starke Beifall dürfte vor allem ihrer furiosen Darstellung gegolten haben. Sie schont sich nicht, trinkend, fast ertrinkend, bald wie im freien Fall, bewundernswert sicher im Bewältigen dieses seltsam durchwachsenen Textes. Stark ist er im Grauenhaften, eitel wirkt er im Selbstreferenziellen aus dem künstlerischen Milieu.

Und Castorfs Inszenierung? An ihr gefällt die Zurückhaltung, die er sich bei allem Einfallsreichtum auferlegt hat.“

nachtkritik.de (Gabi Hift)

„Julia Kreusch spielt grandios.“

WIENER ZEITUNG (Karin Cerny)

„Ein Pingpong aus Pathos und Kalauer, hohem Ton und erdiger Antwort. So geht Castorf.“

NÖN

„Fazit: Regie-Legende Frank Castorf beeindruckte inSt. Pölten."

3sat Kulturtipp

„Modern und hoch politisch."
Theater-Tipp: "Schwarzes Meer" - 3sat-Mediathek

Online Kulturmagazin BOHEMA

„Der künstlerischen Leiterin des Landestheater NÖ, Marie Rötzer, ist mit diesem Abend ein echter Coup gelungen."

„Die Sprache der Autorin ist dicht, assoziativ, abstrakt und konkret zugleich, schafft Bilder im Kopf und bringt Dramatik auf die Bühne. Kastrinidis’ Text ist eine ständige Überlappung der verschiedenen Erzählstränge, die am Schluss in einer äußerst packenden und detaillierten Schilderung über das Elend der vertriebenen Menschen zusammengeführt werden."

„Julia Kreusch vermag es an diesem Abend, ohne jemals die Spannung zu verlieren, fast drei Stunden lang ohne Pause durchgehend körperliche und schauspielerische Höchstleistungen abzuliefern."

„Die Uraufführung wurde zu Recht mit überdurchschnittlich langem und begeistertem Applaus aufgenommen."

HIER gehts zur gesamten Rezension

Die Autorin und Schauspielerin Irina Kastrinidis im Gespräch

„Schwarzes Meer“ ist ein Stück über Liebe und die Geschichte Griechenlands. Was war Ihr Ausgangspunkt fürs Schreiben?

Ausgangspunkt waren fragende Gedanken zum Phänomen Liebe und allfällige Zusammenhänge mit der Geschichte. Wonach wird in der Liebe gesucht? Welche Rolle spielen dabei der historische Hintergrund und unsere Ahnen? Versuchen wir in der Liebe, durch das Gegenüber etwas Geschichtliches in einem übergeordneten Sinne zu bewältigen und zu überwinden? Welche Werte vermitteln wir einer nächsten Generation im Spannungsfeld verschiedener Traditionen und Wurzeln? Natürlich schrieb ich vor dem Hintergrund der Minderheit der Pontosgriechen, welche ihre Kultur zu erhalten versuchen angesichts der Bedrohung des Aussterbens.

„Schwarzes Meer“ ist ein europäisches Stück, das eine dramaturgische Landkarte vom Pontos bis nach Frankreich entfaltet. Ist das Schicksal der Pontosgriechen ein „europäisches Schicksal“?

Die Zwangsumsiedlung zwischen den Griechen und der Türkei wurde ja 1923 in Lausanne unterzeichnet, also in der neutralen Schweiz. Das Schicksal (Vertreibung, Displacement, Ermordung) der Pontosgriechen wurde jedoch – anders als etwa bei den Armeniern – nie offiziell als Völkermord anerkannt. Die europäischen Auswirkungen der Geschichte sind jedoch auch heute spürbar.

In ihrem Stück tauchen Figuren und Bilder aus der griechischen Mythologie auf. Waren Sie schon in der Kindheit dafür begeistert?

Tatsächlich fand ich in meiner Kindheit so etwas wie Zuspruch im fantasierten Nachahmen mythologischer Geschichten. Sie sind an Dramatischem nicht zu überbieten und unterliegen keiner Konvention. Den Zugang dazu lieferten mir anfangs die Bücherregale meiner Eltern. Auch war ich immer generell sehr angezogen von Welten außerhalb unserer Alltags-Welten. Eigener Schmerz kann dadurch in einen größeren Kontext gestellt werden. Auch in der Theaterkunst kann seine Berechtigung positiv erfahren werden.

Die gebundene Sprache des Textes erinnert an Homerische Epen.

Dieser Rhythmus hat eine Eigendynamik. Er soll transportieren, wozu Worte nicht in der Lage sind, gleichsam das Wort hinter den Worten.

Stilistisch ist „Schwarzes Meer“ oft „großes Kino“: berauschend schön, glamourös und magisch. Geht es dabei um die Identitätssuche der Hauptfigur?

Die Geschichte Elefterias ist keine Identitätssuche, sondern vielmehr der Versuch, abgebrochene Brücken zu beschreiten, um vielleicht am Ende das unausgesprochene Wort und den Einfluss geschichtlicher Prägung auf unser Verhalten besser zu verstehen. Elefteria – griechisch „Freiheit“ – steht für unverwurzelt sein und dennoch mythologisch oder geschichtlich in Räumen und Zeiten zu existieren.

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