#wirkommenwieder

Zur Zeit laufen die Proben für „Kabale und Liebe“ in der Regie von Alexander Charim, die Premiere war für den 27.11. angesetzt, wir sind noch in der Planung für einen neuen Premierentermin. Was aber der Theaterklassiker mit unserem 200 Jahr Jubiläum zu tun hat, lesen Sie in folgendem Beitrag.

Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Landestheaters Niederösterreich kommt mit Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ ein großer Theaterklassiker auf die Bühne. Im Jahre 1820, dem Gründungsjahr des St. Pöltner Theaters, stand das Stück bereits auf dem Spielplan. Bis heute hat es nichts an gesellschaftlicher und politischer Relevanz eingebüßt.

Blättert man durch die Chroniken des St. Pöltener Theaters, stößt man auf folgende Zeilen: „Der erste Theaterunternehmer, der in St. Pölten als Pächter auftrat, war Leopold Hoch. Rechnungen belegen, dass er vom 26. November 1820 bis 12. April 1821 Vorstellungen gab, [...] Sein Spielplan umfasste neben heute teilweise verschollenen Stücken auch Klassiker, wie [...] „Kabale und Liebe“ und „Die Verschwörung des Fiesko“ von Schiller.“ Der Plan zu „Kabale und Liebe“ entstand im Juli 1782.
Zu dieser Zeit saß Schiller im Arrest in Stuttgart, weil er mehrfach ohne offizielle Erlaubnis von seinem Regiment zu Aufführungen seines ersten Stückes „Die Räuber“ nach Mannheim reiste. Im Gefängnis keimte der Gedanke, aus Stuttgart und somit aus der „Leibeigenschaft“ des Herzogs Carl Eugen zu fliehen. Die Situation wurde für Schiller unerträglich, Intrigen, Lügen und Willkürherrschaft prägten das Klima am württembergischen Hof. Der Herzog drohte mit Festungshaft und Schreibverbot.
„Kabale und Liebe“, entstanden in der Hochphase der „Sturm und Drang“-Zeit, schrieb der freiheitsbegeisterte Autor mit nur 24 Jahren. „Durchreißen will ich alle diese eisernen Ketten des Vorurteils – Frei wie ein Mann will ich wählen“, lässt Schiller seinen Ferdinand skandieren. In seiner neuen Arbeit wollte er sich Luft machen und seinem Zorn gegen Standesvorurteile und gegen die erdrückende Gewalt des Adels Ausdruck verleihen. Wie im „Bürgerlichen Trauerspiel“ – nach dem Vorbild von Lessings „Emilia Galotti“ – nannte Schiller sein Stück ursprünglich „Luise Millerin“ und machte ein bürgerliches Mädchen zur Hauptfigur: Der adelige Ferdinand und die bürgerliche Luise lieben einander, doch eine Verbindung über Standesgrenzen hinweg kommt für ihre Eltern von beiden Seiten nicht in Frage. Die Tragödie nimmt ihren Lauf: die beiden Liebenden werden Opfer einer Intrige bei Hof.
Bei Schiller bekommt das Bürgertum auf dem Theater eine Stimme: Welches Stück wäre also besser geeignet als „Kabale und Liebe“, um ein vom Bürgertum gegründetes Theater für alle gesellschaftlichen Schichten zu positionieren? Vor genau 200 Jahren setzten die Bürger und Bürgerinnen von St. Pölten ihren Wunsch nach einem eigenen Theater in die Tat um. Sie gründeten eine Aktiengesellschaft und finanzierten durch den Verkauf der Anteileden Bau des Theatergebäudes, das an der Stelle eines alten Garnisonsgefängnisses errichtet wurde. Sie setzten damit eine Emanzipationsbewegung fort, indem sie sich eine Präsentations- und Identifikationsplattform schufen. Unabhängig von Stand und Geburtsrecht konnte sich jede*r am Traum eines ständigen Theaters in St. Pölten beteiligen.
Heute sind die soziale Ungleichheit und die Frage nach der Freiheit des Individuums aufgrund von Globalisierung und verstärkt durch die Corona-Krise wieder aktuelle Themen. Schillers Tragödie um das junge Liebespaar ist in der Inszenierung von Alexander Charim nicht nur eine Angelegenheit der Herzen mehr, sondern auch ein spannungsgeladenes Politikum. Für seine Regie von „Lichter der Vorstadt“ nach Aki Kaurismäki erhielt er 2016 einen Nestroy-Preis für die beste Bundesländer Aufführung, eine Nominierung ging 2015 an seine Inszenierung von Grillparzers „Weh dem, der lügt!“

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