Stellungnahme

Nach einer Pressestimme möchten wir die Gelegenheit nutzen, auf die Interpretation unseres Othellos in einem grundsätzlichen Statement zu Mehrsprachigkeit auf der Bühne Bezug zu nehmen:

Shakespeares Tragödie handelt von einem verdienstvollen schwarzen General, der trotz seiner herausragenden Karriere in einer homogen weißen Gesellschaft ein Außenseiter bleibt. Wir haben uns konzeptionell sehr schnell darauf verständigt, dass wir einen POC Schauspieler als Othello besetzen wollen, der die Fremdheitserfahrung des Othello repräsentieren kann. Zudem war es unser expliziter Wunsch, einen Schauspieler mit der Rolle zu betrauen, der eine andere Muttersprache und mehrsprachige Kompetenzen mitbringt. Wenn eine Sprache für die Mehrheit der Personen auf der Bühne die Muttersprache ist und für einen Einzelnen eine erlernte Zweitsprache, macht auch auf dieser Ebene Othellos wiederholte Erfahrung von Alterität und Fremdheit sinnlich erfahrbar. Mit Nicholas Monu, der u.a. bereits am Burgtheater in Wien sowie an der Schaubühne in Berlin gespielt hat, fanden wir einen Schauspieler, der die Zerbrechlichkeit, die Komplexität und das Charisma der Othello-Figur eingelöst hat. 

Mehrsprachigkeit, Vielsprachigkeit und Nicht-Muttersprachlichkeit auf der Bühne beschäftigten uns seit einigen Jahren. Diese Entwicklung ist ein Aspekt der Europäisierung des Theaters. Insbesondere unsere in internationalen Ko-Produktionen entstandenen Inszenierungen spiegeln unsere diverse Gesellschaft der Gegenwart. Sprache ist eine Kernkompetenz des Theaters und sie verändert sich mit der Zeit. „Sprache ist das Haus des Seins“, sagt Heidegger, und sie ist das Tor zu Welt.

Rikki Henrys Inszenierung von „Othello“ ist die erste Inszenierung eines schwarzen Regisseurs mit einem schwarzen Schauspieler in der Titelrolle im deutschsprachigen Raum. Wir sind sehr glücklich, dass wir Nicholas Monu für die Rolle des „Othellos“ gewinnen und mit ihm unser Ensemble bereichern konnten.

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