Nicholas Monu spielt „Othello“

Der Wahlsalzburger stammt aus Nigeria, das ungefähr auf demselben Breitengrad liegt wie die Heimat, die man im close reading für Othello herleiten kann: Zu Shakespeares Zeiten bedeutete „Moor“, „Blackamoor“, Schwarzafrikaner. Auf Landkarten dieser Zeit sieht man, dass Othellos Weg nach Europa, den Shakespeare im ersten Akt beschreibt, über Berge durch eine Wüste an eine Küste durch den Sudan nach Äthiopien führt. Wie Othello kam auch Nicholas Monu jung nach Europa. „Ich stamme aus einem adeligen
Clan. Weil wir wohlhabend waren, konnten wir im Biafra-Krieg fliehen und dem Genozid entkommen, der 2 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.“

Nach einigen Jahren in England und zwei Schauspiel-Studien in den USA und England kam Nicholas Monu 1994 durch ein Casting an die Berliner Schaubühne. „Seit einem Studienaufenthalt bei einem an Stanislawski orientierten Theater in Moskau wusste ich, dass ich in einem Ensemble arbeiten möchte und bin nach Berlin gegangen. Erst mit den Monaten bin ich draufgekommen, dass ich in einem der besten Ensembles der Welt gelandet bin.“ ,Später holte Andrea Breth ihn nach Wien ans Burgtheater, wo er bis zum
Ende der Ära Bachler blieb.

An der Figur Othello interessiert ihn besonders, „dass er versucht, seinen Weg zu finden, um auch in einer rassistischen Gesellschaft ein gutes Leben zu führen. Als er eine weiße Frau heiratet, verletzt er ein Tabu und plötzlich wird alles infrage gestellt. Diese Unsicherheit ist sehr heutig und wird von vielen schwarzen Menschen beschrieben. Man kann sich hocharbeiten, aber in jedem Moment kann man von einem Fehltritt heruntergerissen werden, der bei einem weißen Menschen anders geduldet werden würde. In der Theorie ist es ganz einfach, nicht rassistisch zu sein. Oder nicht sexistisch zu sein. Aber wir alle tragen Vorurteile in uns. Die Frage ist nur, ob wir dagegen kämpfen oder nicht.“

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