Happy Birthday Landestheater

200 Jahre Theater in St. Pölten!

Wozu braucht der Mensch Theater? Im Gegensatz zu vielen Theatergründungen im 18. und 19. Jahrhundert, die vor allem der Repräsentation der Fürstenhäuser dienten, entstand der Wunsch nach einem eigenen Theater in St. Pölten aus allen Ständen der Stadtbevölkerung. Die zahlreichen wandernden Komödiantinnen und Komödianten, die in der Stadt Halt machten, wurden von einem theaterbegeisterten Publikum empfangen. In der nachnapoleonischen Zeit wuchs das Bedürfnis nach einem ständigen Theater in der Stadt so sehr, dass die Bürgerschaft die Gründung einer Aktiengesellschaft, die „Gesellschaft des Theaterbaues St. Pölten“, beschloss. Die erste Aktie erwarb Bischof Johannes Ritter von Dankesreiter im Mai 1820. Bis ins Jahr 1821 fielen weitere Aktien an Vertreter der Kirche, aber auch an Landadelige sowie die hohe Beamtenschaft und das gut gestellte Bürgertum der Stadt. Durch den Verkauf dieser Aktien konnte das Kapital für ein neues Theatergebäude an Stelle eines Garnisonsgefängnisses am Ende des Rathausplatzes aufgebracht werden. Der St. Pöltner Baumeister Josef Schwerdtfeger errichtete innerhalb von acht Monaten ein neues Theater mit einer einfachen und schmucklosen Architektur. Bereits am 26. Dezember 1820 fand die feierliche Eröffnung mit einem großen Ball statt und einen Tag später öffnete sich der Vorhang für die ersten Theaterstücke, Opern und Operetten.

Zwischen Aufschwung und Schließungen

Seit seiner Gründung im Jahre 1820 hat das Theater in St. Pölten eine äußerst wechselhafte Geschichte erfahren. Trotz zusätzlicher Vermietungen für Bälle und gesellschaftliche Vergnügungen kämpfte das Haus immer wieder um sein Überleben, die wechselnden Direktoren mussten mit wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten umgehen. Im Revolutionsjahr 1848 wuchsen die finanziellen Schwierigkeiten, sodass das Theater geschlossen werden musste. Im Jahre 1849 übernahm die Bürgerschaft alle Aktienanteile des Theaters und die Stadt St. Pölten wurde alleinige Eigentümerin. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später kam es im Kriegsjahr 1866 erneut zu einer Schließung, wobei das Theater vorübergehend als Notquartier für Soldaten diente. Nach dem tragischen Brand des Ringtheaters 1881 machten die massiven Sicherheitsbestimmungen für sämtliche Theaterhäuser einen kompletten Umbau nötig, der jedoch erst 1893 durch den Wiener Architekten Eugen Sehnal umgesetzt wurde. Das Haus wurde großzügig und attraktiv umgestaltet und sorgte ab nun als „Stadttheater“ mit einem vielseitigen und anspruchsvollen Programm für regelrechten Publikumsandrang und wachsendes Ansehen.

Traum und Albtraum

Die wirtschaftlich prosperierende Stadt träumte von einem Theater mit 1000 Plätzen. Um die Jahrhundertwende zeichnete das Theater ein hohes Niveau im Musiktheater aus, Klassiker, wie Schiller und Goethe, sowie Stücke von Nestroy und Raimund, zukunftsweisende Stücke des Naturalismus und Realismus von Hauptmann und Hebbel standen auf dem Programm, Theater für Kinder, Gastspiele und prominente Gastschauspieler*innen und Sänger*innen zogen das Publikum an. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, die Arbeitslosigkeit danach und ab 1938 die Gleichschaltung durch den Nationalsozialismus forderten die Stadt und ihr Theater neu heraus. Die St. Pöltener*innen wehrten sich lange Zeit gegen die Bespielung einer Gaubühne für Niederdonau, sie kämpften mit allen Mitteln für einen eigenständigen Theaterbetrieb mit einem festen Ensemble. 1940 gaben sie dem Druck nach und traten dem sogenannten „Zweckverband“ bei. In dieser Zeit durften keine Werke von jüdischen Autoren und Komponisten aufgeführt werden.

Theater für alle

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das völlig zerstörte Theater mitten während der russischen Besatzungszeit mit allen Kräften wieder aufgebaut und am 11. Juli 1945 eröffnet. In der Nachkriegszeit überboten sich engagierte Direktoren und Direktorinnen mit ihren künstlerischen Ensembles und Gästen, um ihrem Publikum trotz wachsender Konkurrenz aus Wien großes Theater zu bieten. 1986 erhielt St. Pölten den Titel einer Landeshauptstadt. Unterstützt von Stadt und Land wurden auch die Strukturen des Theaterbetriebes den neuen Gegebenheiten angepasst. 2005 wurde das Stadttheater St. Pölten zu einem Landestheater für Niederösterreich und in ein reines Sprechtheater mit einem festen Schauspielensemble umgewandelt. 200 Jahre nach seiner Gründung hat sich das Haus unter dem Motto „Die Welt ist groß“ zu einem soziokulturellen Zentrum für Stadt und Land sowie zu einem Theater mit nationaler und internationaler Strahlkraft entwickelt. Für die Bürgerinnen und Bürger steht das Theater vor allem für eines: Identität und Zusammengehörigkeit.

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