DICKE LUFT AM KÖNIGSHOF

HAMLET

 

Dänemark, im Schloss zu Helsingör: Zur Beerdigung seines Vaters, dem alten König Hamlet, kommt der junge Prinz Hamlet nach Dänemark zurück. Seit seinem Auslandsstudium in Wittenberg haben sich die Machtverhältnisse im Staate Dänemark in ihr Gegenteil verkehrt. Nach dem Tod von Hamlets Vater hat sein Onkel Claudius seine Mutter geheiratet und wurde zum neuen König gekrönt. Als Hamlet in einer stürmischen Nacht die Stimme seines toten Vaters hört, der Claudius als seinen Mörder bezichtigt, will er Rache und Gerechtigkeit für Dänemark. In der Inszenierung des jungen Briten Rikki Henry stehen sich Tim Breyvogel als Hamlet und Michael Scherff als Claudius in einem erbitterten Machtkampf gegenüber. Der Dramaturg Ludwig zur Hörst hat die beiden als ihre Figuren nach deren politischen Positionen befragt:

Ihre Majestät König Claudius. Was für ein König war der alte Hamlet?
Claudius: Der alte Hamlet war ein schwacher König. In den letzten Jahren musste man auch schon daran zweifeln, ob er tatsächlich noch in der Lage war ein Reich wie Dänemark zu regieren und ihm zu dienen. Als Bruder war er sehr herablassend und sich stets bewusst der Ältere und damit auch der rechtmäßige Erbe des Throns zu sein.

Wir geht es Ihnen mit seinem Sohn?
Claudius: Prinz Hamlet ist das Kind seines Vaters. Ein junger Mann, den die Geschicke seines Landes nie sonderlich interessiert hatten und der lieber ins Ausland ging, um sich dort dem Studium neuer, gefährlicher Philosophien, Ideologien zu widmen. Auch bei ihm sind Anzeichen einer geistigen Verwirrtheit auszumachen. Trotz allem ist er mein Neffe und mein Sohn und ich werde alles tun, um ihn zu unterstützen und auf die Regentschaft nach meinem Tod vorzubereiten.

Prinz Hamlet, ist Claudius ein guter König?
Hamlet: Der Schlechteste, den man sich vorstellen kann. Er ist ein egozentrischer, machtbesessener Popanz.

König Claudius, sind Sie zufrieden mit der Beamtenschaft am Hofe?
Claudius: Der Hofstaat besteht aus Menschen, die mir gegenüber sehr loyal erscheinen, doch muss man immer auf der Hut sein, denn sie dienten schon meinem Bruder.

Prinz Hamlet, freuen Sie sich, nach ihrer langen Abwesenheit, alte Bekannte am Hof zu sehen?
Hamlet: Auf die meisten kann ich gut und gerne verzichten.

König Claudius, wie schätzen Sie die Situation in Dänemark gerade ein?
Claudius: In der letzten Zeit der Regentschaft des alten Hamlets, flammten in unseren Vasallenstaaten und an unseren Grenzen wieder Unruhen auf. Da ich gerade erst gekrönt wurde und mich erst in alles einarbeiten muss, macht sich in meinem Land eine gewisse Unsicherheit breit. Zwar hat mich das Parlament ernannt und bestätigt und durch die Heirat mit Gertrud ist die Legitimation meiner Regentschaft auch noch untermauert, aber die Unruhe die Hamlet und seine Anhänger verbreiten, erschwert ein anständiges regieren. Es wird notwendig sein, diese Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Dann kann man anfangen in Ruhe für das Wohl des Volkes zu arbeiten.

Prinz Hamlet, was würden Sie als König anders machen?
Hamlet: Ich bin für einen gerechten König, der vom Volk legitimiert ist, nicht durch Heirat. Ich würde ein König für das Volk sein und nicht für mich selbst.

 

Das Interview mit Prinz Hamlet musste leider abrupt abgebrochen werden, da die Schauspielerin Bettina Kerl (Hamlets engster Freund Horatio), hereingestürmt kam und ihm von der Erscheinung eines Geistes berichten wollte.

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