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 © Verlag Vinz. Hötinger, St. Pölten
 © Gerald Lechner
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Geschichte

Die Anfänge des Landestheaters Niederösterreich gehen auf das Jahr 1820 zurück, als die theaterbegeisterte Bevölkerung von St. Pölten die Gesellschaft des Theaterbaus in St. Pölten gründete, um das erste ständige Theater der Stadt zu errichten. Die Gesellschaft erwarb das "Militärische Stockhaus‘"– eine militärische Strafanstalt – und beauftragte den Baumeister Josef Schwerdtfeger ein Theater zu errichten, welches anschließend an private Theaterunternehmer vermietet wurde.

Der Tag der Eröffnung ist leider nicht überliefert, muss aber im Herbst 1820 angenommen werden. Das Theater fungierte in diesen frühen Tagen auch als Ball- und Gesellschaftshaus, neben Theateraufführungen wurden auch Konzerte und Tanzunterhaltungen veranstaltet. Flexibilität war in diesem Zusammenhang wichtig und so stellte man den Vorderteil der Bühne kurzerhand auf Walzen und Rollen, um einen möglichst raschen Umbau des Zuschauerraums in eine Tanzfläche gewährleisten zu können. Auch Kindertheater – noch heute ein wichtiger Teil der Spielplangestaltung – stand bereits unter dem ersten Pächter Leopold Hoch auf dem Spielplan. Schwierigen Jahren inklusive einer Schließung in der Saison 1847/48 folgte der Verkauf an die Stadtkasse, womit die Stadt St. Pölten zum Eigentümer wurde und die Direktoren fortan selbst bestellte.

Der Wiener Ringtheaterbrand 1881 hatte auch für das St. Pöltner Theater Folgen: Man stand vor der Entscheidung die neuen, rigorosen Brandschutzvorschriften zu erfüllen – verbunden mit hohen Kosten – oder das Theater zu schließen, wozu sich eine Mehrheit im Gemeinderat entschloss. Das Haus wurde aber weiterhin genützt: Es wurde komplett ausgeräumt, im ausgehöhlten Theatersaal war es zumindest möglich Ball- und Tanzveranstaltungen durchzuführen.

Doch 1886 war es wieder die Bevölkerung, die nach wirklicher Theaterunterhaltung in St. Pölten verlangte. Eine Sammlung wurde veranstaltet um wenigstens eine provisorische Benützung möglich zu machen. Der Begriff ‚Theater‘ wurde allerdings tunlichst vermieden – zum einen, da es sich um sehr einfache Aufführungen handelte, weil im leeren Saal keine Technik zur Verfügung stand. Zum anderen auch um Probleme wegen des fehlenden Brandschutzes zu vermeiden.

1888 entstand ein Theaterunterstützungsverein mit 143 Mitgliedern, der wesentlichen Anteil daran hatte, dass man sich 1893 zu einer vollständigen Renovierung des Stadttheaters entschloss. Das alte Haus wurde bis auf die Außenmauern abgetragen. Es erhielt eine neue Fassade an der in goldenen Lettern der Schriftzug ‚Stadttheater‘ angebracht wurde. Der neue Bau entsprach allen erforderlichen neuen Sicherheitsbestimmungen, wie verpflichtender Notbeleuchtung und einem Eisernen Vorhang zur Trennung von Bühne und Zuschauerraum. Trotz erweiterter Bühne und vergrößertem Orchesterraum fasste der Zuschauerraum insgesamt stolze 500 Plätze – ein Rekordwert, der bis heute unerreicht bleibt.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts stellte eine turbulente Phase für das damalige Stadttheater dar: Wurde es in der spielfreien Zeit im Sommer 1913 noch als Kino genutzt, erzwangen Förderungskürzungen eine weitere Schließung in der Saison 1927/28. Ein – nicht realisierter – Vorschlag zur Rettung des Theaters war die Umstellung auf einen Einspartenbetrieb, schließlich folgte aber die Eingliederung in das Städtebundtheater zusammen mit Baden, Krems und Bruck an der Leitha. Doch auch diese Maßnahme konnte das Theater nicht vor einer neuerlichen Schließung in den Jahren 1931-33 bewahren, der sich eine kurze Wiedereröffnung bis 1935 anschloss. In Folge konnte kein regulärer Betrieb mehr aufgenommen werden, bis 1938 zeigte man ausschließlich Gastspiele.

Die Kriegsjahre waren durch den Verlust der Eigenständigkeit, die Zweckentfremdung als SS-Quartier und Lagerraum sowie die Zerstörung des Daches durch einen Bombentreffer auf das Nebengebäude geprägt. Als das Haus 1948, subventionslos aber mit monatlich sechs Premieren, wiedereröffnet wurde, spielte man die ersten Vorstellungen ohne Dach, quasi unter freiem Himmel. St. Pölten wollte – allen Widrigkeiten zum Trotz – nicht auf sein Theater verzichten.

Die bis dato letzte Schließung erfolgte 1966 im Zuge eines großen Umbaus der mit der Eröffnung am 23. September 1969 seinen Abschluss fand. Die Fassade behielt ihr Erscheinungsbild zwar in wesentlichen Zügen bei, das Haus wurde jedoch um ein zusätzliches Stockwerk erweitert. Die technischen Einrichtungen – von denen einige auch heute noch vorhanden sind – wurden erneuert, der Zuschauerraum auf 411 Plätze reduziert. Ein neues Depot wurde errichtet, in welchem nun die Dekorationswerkstätten untergebracht waren. Eine große Neuerung stellte die Einrichtung einer zweiten Spielstätte dar: Auf der neu errichteten, hausinternen Probebühne, stimmiger Weise erst Theater auf der Probebühne und ab 1975 Studio der Zeit genannt, bot man junger, zeitgenössischer Dramatik einen Raum. 1986 wurden die öffentlichen Aufführungen eingestellt – seither wird das Studio wieder ausschließlich als Probebühne verwendet.
Ab 1975 wurde das Stadttheater St. Pölten schließlich auf einen Intendanzbetrieb umgestellt. Dies brachte eine öffentliche Finanzierung und die Verwaltung durch die Gemeinde mit sich. Erster Intendant wurde Herwig Lenau, der dem Theater mit dem Auftrag, es als Sprech- und Musiktheater zu führen, bis 1991 vorstand.

Ihm folgte Peter Wolsdorff unter dessen Intendanz die letzte große Renovierung des Hauses 1996 stattfand. In seiner Amtszeit manifestierte sich nun auch die Erhebung der Stadt St. Pölten zur Landeshauptstadt Niederösterreichs in der Namensgebung des Theaters: In Folge dessen lautete der offizielle Name Theater der Landeshauptstadt St. Pölten – Theater für Niederösterreich. Auch Reinhard Hauser führte das Theater unter diesem Namen weiter als er 2002 auf Peter Wolsdorff folgte.

Das Theater in seiner heutigen Form wurde mit dem Amtsantritt von Isabella Suppanz zu Beginn der Saison 2005/06 aus der Taufe gehoben. Das nunmehr vom Land übernommene Haus führt seither den Namen Landestheater Niederösterreich und wird als Einspartenhaus über das Sprechtheater definiert.

Das Landestheater Niederösterreich verfügt über zwei separate Spielstätten: Zurzeit stehen dem Publikum im Großen Haus 357 Sitzplätze, 14 Stehplätze sowie zwei Rollstuhlplätze zur Verfügung. Die Theaterwerkstatt, 2002 am Standort der ehemaligen Dekorationswerkstätten eröffnet, bietet weiteren 120 Gästen Platz. Das Foyer des Großen Hauses sowie das Theatercafé wurden im Sommer 2012 renoviert und fügen sich als moderne Komponenten in das historische Ambiente des Hauses wunderbar ein.

Mit Beginn der Saison 2012/13 übernahm Bettina Hering die Künstlerische Leitung des Landestheaters Niederösterreich.