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Fabelhaft!Niederösterreich

am 22. und 23. Mai 2012 im Landestheater

Offene Stellen

Sommertheater in Niederösterreich 2012



Antje Hochholdinger | Interview

Antje Hochholdinger in einem Interview über den Arbeitsprozess und das Stück DIE SCHATZINSEL

1. Liebe Antje. Du bist nicht nur Regisseurin der Produktion DIE SCHATZINSEL, du hast auch die Textvorlage nach dem gleichnamigen Buch von Robert Louis Stevenson  geschrieben. Was war dein erster Eindruck, nachdem du das Buch gelesen hattest?

Eine großartige Abenteuergeschichte! Kein Wunder, dass sie bis heute als eine der besten der Literaturgeschichte gilt.

2. Hat diese Piratengeschichte etwas mit unserer heutigen Wirklichkeit zu tun?

Durchaus. Piraterie ist heute nach wie vor und beinahe noch mehr als je ein Thema. Nur geht es etwas unästhetischer und unromantischer zu als in unserer Geschichte. Statt Kanonen, Säbel und Gewehre gibt es Sprengkörper und Maschinengewehre.

3. Welche Fragen haben dich nach dem Lesen des Buches vor allem interessiert?

Die Frage nach dem Stellenwert des "schnöden Mammon", und welchen Preis man bereit ist, dafür zu zahlen. Das gilt auch für die "good guys" – die "Guten"! Freundschaft und Treue sind wichtige Themen in der Geschichte, aber auch die Übergangsphase vom Kind ins Erwachsenwerden, die Vorbilder, die man braucht und sich nimmt ...

4. Was ist in deinem Text anders als in der Buchvorlage?

Zunächst einmal war die Aufgabe, ein Stück zu schreiben, das auch für ein sehr junges Publikum zugänglich ist. Demzufolge gibt es keine Toten, keine Blutorgien und keine Meuchelmorde. Die Geschichte braucht das auch gar nicht. Jim hat (aus Besetzungsgründen) keine Eltern, sondern eine Schwester, die Mannschaft in Summe ist eine deutlich kleinere (auch aus Besetzungsgründen). Außerdem hatte ich den Anspruch, den Schauspiel-Kollegen Rollen zu schreiben, die als Figuren in sich schlüssig sind, selbst wenn sie sich aus "zusammengezogenen Charakteren" gebildet haben. Ich habe auch versucht, bei so mancher Szene Witz und Humor zuzulassen.

5. Du hast nicht nur die Textfassung von DIE SCHATZINSEL geschrieben, sondern bist auch Regisseurin und Schauspielerin. Wie hat dieser Umstand deinen Umgang mit der Piratengeschichte und dem Schreiben der Textvorlage beeinflusst?

Sicher dahingehend, dass ich bei einer Figur immer mitdenke: Liegt der Text im Mund, ist der Charakter schlüssig, wie lässt sich das spielen... Grundsätzlich lassen sich für meine Arbeiten die drei Tätigkeiten nur schwer trennen. Ich denke immer dramaturgisch beim Zugang zu einer Rolle, selbst wenn ich "nur" spiele.

6. Gibt es eine "Message", die du deinen ZuschauerInnen mit deinem Stück mitgeben willst? Oder anders gefragt: was möchtest du mit deiner Inszenierung beim Publikum bewirken?

DIE SCHATZINSEL ist für mich kein Lehrstück. Aber natürlich freue ich mich, wenn sich der Zuschauer bei bereits genannten Themen die eine oder andere Frage stellt. Ich möchte vor allem, dass sich die Zuschauer gut unterhalten und im Idealfall in den Sog der Geschichte geraten.

7. Es ist auffällig, dass es in dem Stück nur eine einzige Frauenrolle – die der Lucy, die nur ganz zu Beginn im Stück vorkommt – gibt. Und ausgerechnet die Regie dieses "Männerstücks" führt eine Frau – gibt es dafür eine Erklärung?

Nur die, dass damals Frauen auf einem Piratenschiff nichts verloren hatten. In dieser Zeit war von Gleichberechtigung noch keine Rede! Dass ich als Frau dieses Stück inszeniere, war mein Wunsch. Nicht um irgendeine feministische Message zu senden, sondern ausschließlich deshalb, weil ich die Geschichte spannend fand.

8. Und noch eine letzte Frage zu dir als Mensch und Künstlerin: Es ist doch sicher sehr viel Arbeit, die du dir mit dem Schreiben und der Inszenierung dieses Theaterstücks aufgeladen hast. Wie bewältigst du diese viele Arbeit? Was ist deine Motivation? Wie findest du deinen Ausgleich?

Viel Arbeit ist es tatsächlich. Mich motiviert die Freude daran. Ich wage zu behaupten, dass sich kein Mensch einen künstlerischen Beruf "antun" würde, wenn dieser ihn nicht erfüllte.
Ausgleich finde ich beim Lesen guter Bücher. Und beim Wandern.