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 © Annette Sonnewend
Marion Reiser, Pascal Groß Franziska Hackl, Othmar Schratt, Tobias Voigt, Babett Arens, Michael Scherff, Lisa Weidenmüller © Yasmina Haddad
 © Sepp Gallauer
Franziska Hackl © Sepp Gallauer
Marion Reiser, Michael Scherff, Babett Arens, Pascal Groß © Sepp Gallauer

Wir sind noch einmal davongekommen

von von Thornton Wilder

Deutsch von Hans Sahl

Großes Haus

  • Sa 06.10.2012 19:00

    Dauer
    1 Stunde 55 Minuten inklusive Pause
    Pause nach 1 Stunde 10 Minuten

    Einführungsgespräch
    am 12. Oktober 2012 um 18.30 Uhr

    Ensemblegespräch
    am 24. Oktober 2012 nach der Vorstellung

    Vorstellungen für Schulen um 10.30 Uhr auf Anfrage!

    Medienpartner dieser Produktion
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    20% Ermäßigung für den PRESSE-Club

    Die Geschichte der Welt als Comic-Strip. Wer kennt sie nicht, diese Familie, die der Ansager der Wochenschau vorstellt: George Antrobus, den ehrgeizigen Forscher und Familienvater, die treusorgende Gattin und Mutter, Mrs. Maggie Antrobus, die Tochter Gladys, etwas ungezogen und kokett und den gewalttätigen Sohn Henry. An ihrer Seite, leichtsinnig und aufmüpfig, das Dienstmädchen Sabina.

    Diese allegorische Familie ist durch die Zeiten hinweg von existenziellen Katastrophen bedroht: Eiszeit, Sintflut, Krieg. Die Antrobus‘ werden zu einer Art mythischem Abbild der Menschheitsfamilie schlechthin und Wir sind noch einmal davongekommen zu einem Stück Welttheater von intensiver symbolischer Kraft – und absurdem Humor. Wilders Überzeugung, dass sich der Mensch von der Eiszeit bis zur Gegenwart im Grunde nicht verändert, steht zur Diskussion. Und desgleichen, ob grundsätzlich der Lebenswille des Menschen auch in Zukunft die größten Katastrophen überdauern wird.

    Thornton Wilder (1897 – 1975) schrieb Erzählungen und Theaterstücke. Er wurde dreimal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und gilt zu Recht als Revolutionär des Theaters. Seine innovativen Werke, darunter auch das bekannte Stück Unsere kleine Stadt, haben der Dramatik Impulse verliehen, die bis heute nachwirken.

    In Wilders wunderbar komischer und schlagend aktueller Parabel stellen sich Ihnen die neuen Ensemblemitglieder des Landestheaters Niederösterreich sowie Babett Arens und Franziska Hackl, die uns einen Teil der Spielzeit begleiten, vor.

    Regie führt Daniela Kranz die unter anderem an den Münchner Kammerspielen, dem Burgtheater und dem Schauspielhaus Wien zahlreiche Ur- und Erstaufführungen inszeniert hat. Mit ihrer Regiearbeit Käthe Hermann von Anne Lepper wurde sie aktuell zu den Mühlheimer Theatertagen eingeladen. Bühne und Kostüme kommen von Bettina Kraus, die nach Assistenzen u. a. bei Katrin Brack, Karl-Ernst Herrmann und Wilfried Minks, am Burgtheater, Schauspielhaus Hamburg, der Wiener Staatsoper, den Münchner Kammerspielen und dem Schauspielhaus Wien gearbeitet hat.

    Pressestimmen

    Norbert Mayer, Die Presse vom 08.10.2012

    Thornton Wilders Endzeit-Ulk

    Mit einem exquisiten postdramatischen Vorspiel auf dem Theater und einem raren modernen Klassiker begann am Samstag im Landestheater Niederösterreich die erste Saison für die neue Intendantin Bettina Hering. Der deutsche Schauspielstar Martin Wuttke, der dem Haus in Sankt Pölten schon unter der vorigen Intendantin Isabella Suppanz verbunden war, machte der neuen Chefin seine Aufwartung, indem er einen bezaubernden Monolog darbot. ... Hering aber machte sich ihren Einstieg mit dem anschließenden Hauptstück nicht leicht (sie wirkte dabei als Dramaturgin mit). Daniela Kranz inszenierte das Stück „Wir sind noch einmal davongekommen“, das der US-Dichter Thornton Wilder noch während des Zweiten Weltkriegs geschrieben hatte. Dieses Weltuntergangsdrama, das an die späte Prosa von James Joyce erinnert und gewitzt die vierte Wand durchbricht, wurde ein Hit.

    ... Geboten wurde eine leichte Commedia dell'Arte, die das Ensemble lustvoll mit bunten Bildern in Szene setzte. ...

    Kunstvoll, künstlich geben Scherff und Arens das Echte und das Falsche einer heilen und zerrütteten Familie, assistiert von Pascal Groß als Sohn und Psychopath Kain alias Henry, von Marion Reiser als unverblümt trotziger Tochter Gladys. Herausragend aber sind die Auftritte von Franziska Hackl. Hier reift eine große Schauspielerin und Komödiantin heran. Ihr Spiel mit dem Publikum, das sie mit Beiseitesprechen direkt konfrontiert, bezaubert, fast übermütig fällt sie aus der Rolle, wenn sie den Unsinn des Textes anprangert.

    ... Das Stück spielt vor, dass sieben Schauspieler ausgefallen seien und deshalb das übrige Personal des Hauses dieses angeblich sinnlose Stück fertigbringen werde. ... Die Publikumslieblinge machen das so engagiert, dass man auf jeden Fall von einem hoffnungsvollen Start in die neue Saison sprechen sollte. ...

    Ronald Pohl, Der Standard vom 08.10.2012

    Die ersten 20 Minuten der Ära Bettina Herings am Landestheater Niederösterreich gehören einem Philosophen. Schauspieler Martin Wuttke - grauer Anzug, das Haar nach hinten gekämmt - betritt die Bühne durch einen Vorhangspalt. Seine erste Handlung ist bereits ein kleiner Skandal: Wuttke zündet sich eine Zigarette an.

    Sein Vortrag stammt aus der Feder des Theatermachers René Pollesch. ...

    Ein witziger Diskurs im Sinne des Spielzeitslogans: "Mit subversivem Humor zur Gegenwartsbewältigung". Ein schöner Punkt auch auf einem noch gar nicht gesetzten "i". Dieses steuerte Regisseurin Daniela Kranz bei, die sich des lange vernachlässigten Thornton-Wilder-Stückes Wir sind noch einmal davongekommen annahm.

    Wilder (1897-1975) packt darin die großen Existenzialien an. Im ersten Akt melkt die amerikanische Kleinstadtfamilie der Antrobus noch ihr Mammut. Den Einbruch der Eiszeit kann Mr. Antrobus (Michael Scherff) leider nicht verhindern, obwohl er das Rad erfindet und sich um die Einführung neuer Buchstaben im Alphabet verdient macht.

    Pulitzer-Preisträger Wilder gibt sich in diesem Lehrstück als All-American Gegen-Brecht zu erkennen. Das Stubenmädchen der Antrobus (Franziska Hackl) fällt gerne aus der Rolle und appelliert direkt an das Publikum. Ein überforderter Spielleiter (Tobias Voigt) greift ein, wenn Teile des Ensembles angeblich an Magen-Darm-Verstimmung erkrankt sind. Auf der Bühne, der Trommel einer Waschmaschine nachgebildet, herrscht Konfusion. Man spürt den philosophischen Anspruch, Wohl und Wehe der menschlichen Gattung zu erörtern. Zugleich mokiert sich das Theater auch ein bisschen über sich selbst.

    In St. Pölten blitzt The Skin of Our Teeth (so der Originaltitel) blendend weiß und herzerfrischend zynisch.

    Mario Kern, NÖN vom 08.10.2012

    Unter der Regie von Daniela Kranz gab es zum vielbeachteten Saison-Auftakt eigenwillige Dienstmädchen (hinreißend: Franziska Hackl), tonangebende Patriarchen (überzeugend: Michael Scherff), gebeutelte Ehefrauen (gut: Babett Arens) und von Wut zerfressene Söhne (vielversprechend: Pascal Groß), Mammuts und Dinosaurier zu sehen. Respekt ist dabei dem geschlossenen Auftritt des Ensembles ebenso wie dem Entschluss Bettina Herings, mit einer Eigenproduktion ohne Stargäste zu beginnen, zu  zollen.

    Fazit: Unterhaltsamens Theater, das Lust auf mehr macht.

    Hans Haider, Wiener Zeitung vom 08.10.2012

    Das Foyer pipifein neu gestylt. Was verspricht die Intendantin Bettina Hering, die im Sommer Regie führte in Stadt Haag sowie bei Rudolf Scholtens Festival "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein? Der Dreiakter "Wir sind noch einmal davongekommen" (1942) verkündete in den Wiederaufbaujahren die Heilsbotschaft, dass jeder globalen Katastrophe ein hoffnungsgebender Neuanfang folge. ... 

    Wilder presste humanistische Bildungslasten (Genesis, Platon, Aristoteles, Spinoza) ins klebrige Milieu der amerikanischen Middle-class. Dreimal Beinahe-Weltuntergang: Eiszeit, Sintflut, "siebzigjähriger Weltkrieg". In solchen anthropologischen Konjunkturzyklen müssen Debatten über persönliche Schuld untergehen. Der Bösewicht trägt das Kains-Zeichen auf der Stirn. ...

    Wie exhumiert man Wilders Mythenverschnitt? Mit leichter Hand, die Ironie selbst über schwerste Menschheitsbrocken gießt und mit flapsigen Gesten Bedeutungsschwere zerstäubt.

    Daniela Kranz, die Regisseurin, zeigt ein postdramatisches Unverbindlichkeitsspektakel auf René Polleschs Geleisen. Dazu gehörte auch Martin Wuttkes Prolog mit einem wortklauberischen Pollesch-Text, in dem zuletzt die neue Direktion "gesegnet" wurde.

    Am einleuchtendsten die Bühne (Bettina Kraus): eine weiße Röhrentrommel wie das Laufrad für Kleinnager. Die Family Michael Scherff, Babett Arens, Marion Reiser, Pascal Gross und die - im ersten Auftritt als Dienstmädchen glänzende - Franziska Hackl balanciert mit dem gebotenen Unernst in und auf der Tretmühle. Komisch immerhin die Persiflage auf einen US-Wahlkonvent. ...

    Dass die Theatraliker an ihr Bühnendrama selber nicht mehr glauben, spürte wenigstens die Hälfte der Gäste. Die andere klatschte schier unermüdlich. ...

    Oliver A. Láng, Kronen Zeitung vom 08.10.2012

    Gelungen ist der Prolog auf dem Theater, mit dem Direktorin Bettina Hering ihre erste Saison im Landestheater Niederösterreich eröffnete: Sie bat Martin Wuttke vor den Vorhang der Textmaterial von René Pollesch sprach bzw. Las. Passend zur nachfolgenden Premiere – über Wahrheit und Gefühl, Bild und Darstellung ... Daniela Kranz´ Inszenierung ist klar und gut gestellt, ... Verlässlich das Ensemble mit Babett Arens und Michael Scherff als Menschheitstypen Mrs. und Mr. Antrobus. Franziska Hackl zeichnet präzise die Sabina.

    Johannes Gans, Kultur und Wein

    Humor und Witz sprühen und machen gerade dadurch den Ernst der jeweiligen Lage deutlich. Man darf lachen, wenn der Wissenschaftler Mr. Antrobus in Gesellschaft eines Mammuts und eines Sauriers stolz die Erfindung des Rades präsentiert oder mit seiner Tochter Gladys die eben von ihm entwickelten Kulturgrundlagen ABC und Einmaleins übt. Seine Frau ist für das Bestehen der Familie zuständig. Sie bleibt sogar unbeeindruckt, als große Gestalten wie Homer und Moses hungrig und ausgefroren bei ihnen Zuflucht suchen, und ist keineswegs erfreut, dass ihr Mann das knappe Essen an diese Leute verteilt.

    Im Landestheater Niederösterreich wurde mit „Wir sind noch einmal davon gekommen“ die Saison eröffnet. Die neue künstlerische Leiterin Bettina Hering hat damit einen deutlichen Akzent gesetzt. Die Schweizer Dramaturgin liebt „subversiven“ Humor und findet, so das kurze Fazit zu ihrer ersten St. Pöltner Premiere am 6. Oktober 2012, an ihrer jetzigen Wirkungsstätte die besten Voraussetzungen dazu und macht damit Lust auf mehr solcher Welt-Literatur, die zugegebenermaßen in unseren Spielplänen stiefmütterlich behandelt wird.

    Das Ensemble (Mr. Antrobus: Michael Scherff, seine Frau: Babett Arens, Gladys: Marion Reiser, Henry: Pascal Gross, Sabina: Franziska Hackl, in mehreren Rollen Tobias Voigt, Othmar Schratt, Swintha Gersthofer, Lisa Weidenmüller, Christine Jirku) spielt und turnt sich in einer riesigen Zentrifuge virtuos durch die Äonen. Besonderer Pluspunkt ist die spürbare Sympathie zwischen Darstellern und einem begeisterten Publikum, das sich augenzwinkernd zu keineswegs unschuldigen Mitwissern ob all der menschlichen Unzulänglichkeit erklären lässt.

    Robert Voglhuber, Mostviertel Magazin

    Saisonauftakt im Landestheater unter der neuen Intendanz von Bettina Hering war am 6. Oktober mit Thornton Wilders bedeutendstem Werk „Wir sind noch einmal davongekommen“. Das Stück wurde 1942 uraufgeführt. Es ist eines der wichtigsten Stücke des zeitgenössischen Theaters überhaupt. Ein Familienstück, das alle Formen des Bühnenspiels vom Theaterulk bis zum Mysterium umschließt. Es lebt in seiner Symbolkraft von den Elementartypen der Menschheit. Michael Scherff spielt den schaffenden, planenden, erfindenden Mr. Antrobus, Babett Arens verkörpert als dessen Frau kongenial die umsichtig sorgende Mrs. Antrobus. Die negative Seite spielt Pascal Gross als deren Sohn Henry. Ein Zerstörer und Rebell. So auch Franziska Hackl als destruktiv verführerisches Dienstmädchen Sabine. Sie sollen die Keimzelle des Menschengeschlechts darstellen und das Rad der Geschichte von den Anfängen bis heute drehen. ...

    Daniela Kranz führt Regie. Klar wird herausgearbeitet, dass die Einbrüche des Destruktiven nicht aufgehalten werden können, sich daraus zu befreien dennoch möglich ist. ...