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 © Yasmina Haddad
Christine Jirku, Michael Scherff, Helmut Wiesinger, Elijah Stängl, Katharina von Harsdorf, Franziska Hackl, Moritz Vierboom, Sebastian Wukovits, Sven Philipp, Lisa Weidenmüller, Pascal Groß, Jan Walter © Alexi Pelekanos
Franziska Hackl, Moritz Vierboom, Lisa Weidenmüller, Christine Jirku © Alexi Pelekanos
Katharina von Harsdorf, Franziska Hackl, Michael Scherff, Jan Walter © Alexi Pelekanos
Österreichische Erstaufführung

Mamma Medea

von von Tom Lanoye

Aus dem Flämischen von Rainer Kersten

Großes Haus

Premiere

  • Sa 16.03.2013 19:30

    Dauer
    2 Stunden 30 Minuten inklusive Pause
    Pause nach 1 Stunde 10 Minuten

    Einführungsgespräch
    am 20. März 2013 um 18.30 Uhr

    Ensemblegespräch
    am 5. April 2013 nach der Vorstellung

    Vorstellungen für Schulen um 10.30 Uhr auf Anfrage!

    Medienpartner dieser Produktion

    20% Ermäßigung für den PRESSE-Club

    Die Königstochter Medea verliebt sich in den Griechen Jason, der nach Kolchis gekommen ist, um das Goldene Vlies in seine Heimat zu bringen. Den strengen Sitten ihres Landes zum Trotz hilft sie ihm dabei, opfert all ihre Grundsätze und wird zur Mörderin von Vater und Bruder. Jahre später lebt Medea mit Jason und den gemeinsamen Söhnen in Griechenland. Doch ihr bleibt das Stigma der "Fremden" und Medea muss erkennen, dass dieses Leben ihre Opfer nicht wert war. Jason wendet sich von ihr ab und der Königstochter Kreusa zu, von deren Einfluss er sich auch einen gesellschaftlichen Aufstieg verspricht. Der Ehekrieg fordert die Kinder als Opfer – bei Lanoye aber werden beide Elternteile zu Tätern und finden sich vereint in der gemeinsamen Schuld.

    Mit Mamma Medea gelingt dem flämisch-belgischen Schriftsteller Tom Lanoye nicht nur eine eigene Sicht auf die Medea-Vorlage des Euripides, sondern der Sprung in die Gegenwart. Obwohl sich Lanoye kaum von der überlieferten Handlung löst, ist seine Geschichte von erschreckender Aktualität. Mit Schlachten!, einer bemerkenswerten Bearbeitung von Shakespeares Rosenkriegs-Dramen in der Regie von Luk Perceval, wurde Lanoye einem großen Publikum bekannt.

    Philipp Hauß wird diese moderne Medea mit der Nestroy-Preisträgerin Franziska Hackl, die in der Spielzeit auch in Thornton Wilders Wir sind noch einmal davongekommen zu sehen ist, und Moritz Vierboom als Jason in Szene setzen. Der deutsche Schauspieler Sven Philipp wird in Mamma Medea zum ersten Mal am Landestheater Niederösterreich gastieren. Philipp Hauß hat sich in den vergangenen Jahren vermehrt auch als Regisseur, nicht nur als Burgschauspieler, einen Namen gemacht. So inszenierte er mit Studierenden des Max Reinhardt Seminars Elfriede Jelineks Bambiland und Hofmannsthals Das gerettete Venedig. 2011 führte er Regie in der Garage X mit seiner Arthur Miller-Bearbeitung Überleben eines Handlungsreisenden – eine Beratung. Mit Moby Dick Revisited, einer Installation im gesamten Burgtheater und einer Neuauflage an der Berliner Volksbühne, erreichte er ein begeistertes Publikum.

    Pressestimmen

    Peter Jarolin, Kurier

    Lanoyes Mamma Medea beeindruckt in St. Pölten. ... das Landestheater Niederösterreich zeigt es in seiner gelungenen Neuproduktion. Philipp Hauß hat kundig und geradlinig inszeniert; Martin Schepers hat die spartanische Bühne, Lane Schäfer die zeitlosen Kostüme beigesteuert. ... ein Ereignis! Denn Franziska Hackl ist eine Medea von selten erlebter Intensität, von unfassbarer Wandlungsfähigkeit, der man als Zuschauer unwillkürlich verfällt. Eine bis in die kleinste Geste grandiose Schauspielerin, die ein starkes Ensemble an ihrer Seite hat. Moritz Vierboom als opportunistischer Jason führt es gut an: Vor allem Pascal Groß, Lisa Weidenmüller sowie Christine Jirku bleiben nachhaltig in Erinnerung.

    Norbert Mayer, Die Presse

    ... Am Samstag war in St. Pölten eine beherzte, durchdachte Premiere zu sehen, die durch die Darstellerin der Titelheldin zu etwas Besonderem wurde. Franziska Hackl ist eine bewegende, großartige Medea, sie beweist durch diese Aufführung, dass sie ihr Fach souverän beherrscht. Hier ist sie eine starke, und doch auch zarte Tragödin, trifft den Ton, in den lauten Passagen wie auch in den intensiven, in gefährlich stillen Momenten. ... In gut zweieinhalb Stunden wird bei Hauss das Schicksal der Außenseiterin aus Kolchis verhandelt. Von Medeas Angehörigen vermittelt Michael Scherff als ihr Vater Aietes den stimmigen Eindruck eines müden Herrschers, der allzu oft von Griechen betrogen wurde. Ihr Bruder Apsyrtos (Jan Walter) erregt in der Szene seiner Ermordung und als Geistererscheinung fast so viel Mitleid wie die gemeuchelten Kinder. So wie sie ist er ein Liebender. Verhärtet sind hier vor allem die Frauen. Katharina von Harsdorf als Schwester Chalkiope und Christine Jirku als Tante Kirke gelingt eine Präsenz, die sich der Dominanz der Protagonistin unterordnet. Sie wirkt sogar, wenn Medea vorm Ende mit Jason ausgepumpt an der Rampe sitzt.

    Dorian Waller, Der Standard

    ... Über zweieinhalb Stunden treffen in Martin Schepers kargem Bühnenbild Antike und Moderne aufeinander. Das groß aufspielende Ensemble lässt immer wieder leichtere Momente zu, welche der Inszenierung nichts von ihrer Intensität nehmen. Franziska Hackl ist als Medea nicht bloß von Liebe und Hass gebeutelt, sondern agiert durchaus reflektiert. Der Unvereinbarkeit ihrer Auffassungenvon einer Partnerschaft mit jenen Jasons (Moritz Vierboom) tut dies keinen Abbruch. Als sich dieser nach gemeinsamer Flucht am Hof Kreons in einen slicken Geschäftsmann verwandelt und mit dem Königstochterblondchen Kreusa (Lisa Weidenmüller) anbandelt, löst er einen Rosenkrieg aus, dessen Wortgefechte man so auch in Dublin oder Döbling erleben könnte. ...

    Michaela Mottinger, mottingers-meinung.at

    Der Niederländer Lanoye … präsentiert seine Medea als ehrfürchtige Theaterneudichtung. … Burgschauspieler und Regisseur Philipp Hauß hat diese Mamma Medea – es scheint ein Widerspruch zum Thema, doch es stimmt – mit leichter Hand inszeniert. … Hauß führt das Landestheater-Ensemble in lichte Höhen. Herausragend die Kolcher: unter ihnen Michael Scherff als Medeas Vater Aietes, Katharina von Harsdorf als seine ältere Tochter Chalkiope, Jan Walter als Sohn Apsyrtos, und die wunderbare Christine Jirku als „Tante“ Kirke. Später liefert Lisa Weidenmüller als zwischen naiv und hinterfotzig changierende Kreusa eine Glanzvorstellung im kurzen Kleidchen ab. Als tragisches Paar hat man zwei Gäste eingeladen: Nestroy-Preisträgerin Franziska Hackl gibt die Medea, Hauß’ Burg-Kollege Moritz Vierboom den Jason. Schön ist es, den beiden dabei zuzusehen, wie sie sich aneinander bis zur endgültigen Eskalation emporhangeln. … Franziska Hackl dominiert, drangsaliert, triumphiert auf der Bühne. Wo Hackl draufsteht, ist ein Hackl drin. Zu Recht holte sich die Tochter von Karlheinz (der stolze Papa saß im Publikum) mit Bühnenpartner Vierboom die Bravos ab. Viel verdienten Applaus gab’s auch für Philipp Hauß. Ihm ist es gelungen, eine moderne Story von Entwurzelung, Fremd- und Abhängigsein zu erzählen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu wacheln. Bitte bald mehr davon.

    Ingrid Reichel, LitGes

    ... Auch ist dem Belgier Lanoye ein besonderer Schluss gelungen. Seit Christa Wolf glaubt man, kein eindringlicheres Ende des Dramas als den Kindsmord durch die eigene Mutter zu kennen. Und nun ist dem Autor die Überraschung geglückt! Ein hervorragender Text, der Hexameter mit moderner Alltagssprache, einer streitbaren Paarbeziehung entlehnt, gekonnt verbindet und die Spannung bis zum letzten Blutstropfen aufrecht erhält. Außerordentlich präsentiert und gespielt vom gesamten Ensemble, vor allem natürlich von Moritz Vierboom als Jason und Franziska Hackl als Medea. Keine Überinterpretierung, kein Zuviel an schauspielerischer Demonstration! Eine geglückte Be- und Aufarbeitung historischer Mythen, des Verrates des Mannes an der Frau, des Verrates der Tochter an Vater und Bruder und der Unberechenbarkeit der bitteren Rache aus enttäuschter Liebe. Einfach eine geglückte, spannende Dramaturgie von M. Asboth und Bettina Hering, einer Regie unter Philipp Hauß und einer Sound- und Kostüme-Präsentation von Lane Schäfer mit modernem sparsamem, zweckbetontem Bühnenbild von Martin Schepers, kurz: eine Produktion und Aufführung, wie sie herausragender nicht sein könnte.

    Johannes Gans, Kultur & Wein

    Das Ensemble des Landestheaters NÖ ist gefordert. Einige wenige Schauspieler meistern virtuos eine ganze Reihe von Rollen und stellen dazu noch den Schicksal verkündenden Chor. Regisseur Philipp Hauß schafft damit das Kunststück, eine griechische Tragödie zwischen die Zeiten zu schieben, aus den Tiefen des Mythos immer wieder in die Gegenwart herauf zu hieven. ... Franziska Hackl zieht dabei alle Register ihres Könnens. Medeas Wahnsinn wird spürbar und gleichzeitig damit die Sprache leiser, eindringlich, beklemmend. ... Das Ende ist ein unverbindlicher Dialog zweier Schwerverbrecher, als Kunstgriff des Autors, den Zuschauer nach guter Tradition der griechischen Tragödie mit einem Lächeln heimgehen zu lassen.