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 © Yasmina Haddad
Othmar Schratt, Helmut Wiesinger © Gerald Lechner
Lisa Weidenmüller, Jan Walter © Gerald Lechner
Jan Walter, Helmut Wiesinger, Christine Jirku © Gerald Lechner
Katharina von Harsdorf, Lisa Weidenmüller © Gerald Lechner

Die Liebenden in der Untergrundbahn

von von Jean Tardieu

Und drei weitere Einakter

Theaterwerkstatt

Premiere

  • Sa 19.01.2013 19:30

    Einführungsgespräch
    am 12. Februar 2013 um 18.30 Uhr

    Ensemblegespräch
    am 30. Jänner 2013 nach der Vorstellung

    Vorstellungen für Schulen um 10.30 Uhr auf Anfrage!

    Sein Schreibstil kommt ein bisschen daher wie Loriot. Er hat den Leichtsinn, die Frechheit, die Einfachheit und Eleganz, mit der man es wagt, die schlichten Fragen zu stellen, auf die es im Leben ankommt.

    Jean Tardieu (1903 – 1995) begann nach dem 2. Weltkrieg experimentelle Stücke zu schreiben – in einer Zeit also, in der Beckett, Genet und Ionesco ihre ersten dramatischen Versuche unternahmen. Er ist ein Meister der "kleinen Form", dem absurden Theater verbunden, aber immer mit einem zwinkernden Auge auf das wahre Leben. Banale Alltagssprüche, oft nur Bruchstücke, die Darstellung unmotivierter Vorgänge, Rhythmus, Melodie, die Vieldeutigkeit von Sprache und Komplexität von Kommunikation interessieren Jean Tardieu.

    Wir zeigen an diesem Abend vier Stücke Tardieus: Wer ist da? und Ein Wort für das Andere, eine ungeheuer komische, sprachverwirrte Szene, machen den Anfang.

    In Der Schalter betritt ein Kunde ein Auskunftsbüro. Doch statt einer Auskunft erhält er einen unfreiwilligen Einblick in die kafkaesken Untiefen der Bürokratie, des Zugverkehrs und einer durchaus persönlich zu nehmenden Schicksalhaftigkeit des Daseins.

    Die Liebenden in der Untergrundbahn zeigt ein junges Paar, das sich in der Pariser Métro kennen und lieben lernt. Doch kaum ist die Liebe entflammt, gilt es auch schon Hindernisse zu überwinden – nicht nur Verständigungsschwierigkeiten zwischen ihnen, nein, alle Fahrgäste scheinen vom Sprachverwirrungsvirus befallen zu sein.

    Regie führt Babett Arens. Die gebürtige Schweizerin ist Regisseurin und Schauspielerin. Sie spielte unter anderem am Volkstheater, Burgtheater, Schauspielhaus Zürich, Schauspielhaus Hamburg und arbeitete dort mit Regisseuren wie Claus Peymann und Peter Zadek. Babett Arens ist in dieser Spielzeit auch als Schauspielerin in der Eröffnungsproduktion Wir sind noch einmal davongekommen und in den Acht Frauen zu sehen. Eva Gumpenberger, Absolventin der Universität für angewandte Kunst Wien, übernimmt die Ausstattung. Matthias Schwetz, der nach der Matura in St. Pölten und nach Studien in Wien, Köln und Amsterdam, jetzt als freischaffender Künstler lebt, wird die vier Einakter musikalisch betreuen.

    Pressestimmen

    Eva Riebler, litges.at

    Vier kurze Einakter – Eine Stimme ohne Gesicht; Wer ist da?; Ein Wort für das andere; Der Schalter - waren dem titelgebenden Hauptwerk – Die Liebenden in der Untergrundbahn – vorgeschaltet. Die Thematik war vielschichtig und doch immer mit der menschlichen Befindlichkeit, Verwirrung oder der Existenzangst verbunden. ... Das Publikum bekam viel Denkstoff über Fragen zum metaphysischen Menschen, ob oder wie z.B. die Gleichung Alle = 1+1 zu verstehen sei oder ob das Eis stirbt, wenn es schmilzt - oder ob Worte Sachen seien. Feststeht, dass Worte dazwischen treten können und die Liebe zweier Menschen stark beanspruchen; gezeigt wurde auch, dass nur die Herzenswärme und Nachgiebigkeit fremder Personen die Verwirklichung des Zueinanderkommens zweier Liebender ermöglichen. Fazit: Ein tolles Werk, das mit Herz, Können und unter hervorragender Regie und schauspielerischer Leistung auf die Werkstattbühne gebracht wurde!

    Jutta Streimelweger, NÖN

    Stilvoll und gekonnt entfernte Regisseurin Babett Arens den Staub von den teils vergessenen Einaktern von Jean Tardieu - Vorreiter des absurden Theaters: und Absurdes gab es auch zu sehen. Mit Humor, aber auch dem nötigen Sinn für das Gesprochene vollzogen die Darsteller eine Symbiose der vier Stücke zu einer Kette von Abfolgen, die überraschte, zum Nachdenken brachte und begeisterte; nicht zuletzt aufgrund der schauspielerischen Leistung. neben dem Bühnenbild sorgte aber auch die Livemusik des Böheimkirchners Matthias Schwetz für das passende Ambiente.

    Hannes Gans, kulturundwein.com

    Schön, dass Jean Tardieu (1903-1995) wieder entdeckt wurde. Der französische Dichter und Dramatiker dürfte hierzulande weitgehend unbekannt gewesen sein. Für die Bühne hat er u. a. kurze Einakter verfasst, oder anders gesagt, Sketches, gemixt aus ein bisschen Neo-Dada mit einem kräftigen Schuss Absurdität. Die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Zeit, in der herkömmliche Formen jeder Kunstgattung aufgebrochen, überwunden werden mussten. Man hatte schließlich eine noch sehr präsente Vergangenheit zu bewältigen und wollte sich von deren Ausdrucksweise klar distanzieren oder zumindest gründlich deren Selbstverständnis erschüttern. ... Alles zusammen wäre aber nichts ohne die Darsteller, denen in einem solchen Stück nur eingeschränkte Möglichkeiten spielerischen Ausdrucks offenstehen und vor allem ein Text, bar jeder mnemotechnischen Hilfe, wie selbstverständlich gesprochen werden muss. Das Ensemble hat die Herausforderung angenommen und bewältigt sie bestens. In einer ganzen Reihe von Rollen überzeugen Helmut Wiesinger, Katharina von Harsdorf, Christine Jirku, Jan Walter, Othmar Schratt und Lisa Weidenmüller. Musikalisch begleitet wurde die Aufführung von Matthias Schwetz mit Trompete und verschiedensten Dämpfern, mit denen die jeweilige Stimmung der einzelnen Szenen fein unterstrichen wurde. ...

    Robert Voglhuber, momag

    Othmar Schratt, Lisa Weidenmüller, Helmut Wiesinger, Katharina von Harsdorf, Christine Jirku und Jan Walter schlüpfen in die verschiedensten Rollen und indem sie alles so gekonnt absurd und grotesk machen, geben sie uns Zuschauern Freiheitsräume voll vibrierender Imagination. Aus dem versachlichendem Milieu des herkömmlichen Alltags mit aufgeschmückten Nichtigkeiten bringen sie uns in eine subtile Stimmung und bringen durch Absurdität Gefühlswerte so zum Ausdruck, wie sie aus den präsprachlichen Zonen des Unterbewussten oder Vorbewussten aufsteigen. Ihre Dialoge zeigen uns, dass man sich nicht ausschließlich des Vorrats üblicher, aber längst verschlissener Worte und Redensarten bedienen kann. ... Wer nur im Publikum sitzt, braucht wie so oft für die Kunst, mehr Verständnis als Verstand. Regisseurin Babett Arens hat beides.