Litges.at / Ingrid Reichel

HER MIT DEN PRINZEN UND WEG MIT DEM SPECK!

Der Autor Heinz Janisch sitzt mitten im Publikum, unter den vielen Eltern mit ihren Kindern in einer vollen Theaterwerkstatt. Die Kinder plappern, sind guter Dinge, eine Aufregung und liebenswerte Unruhe vor dem Stück ist im Raum zu spüren. Theater, das lebt. Im Programm steht ab 4 Jahre! Theater für die Jüngsten. Weiters verspricht die Beschreibung ein unterhaltsames und turbulentes Märchenabenteuer für Groß und Klein. Wie kann das gut gehen?

Details am Rande: Ein „Her mit den Prinzen“ - Puzzle in einer kleinen Box als Programm (um denselben Preis, wie jedes andere Programm € 1, 90.-) beim Eintritt und ein Luftballon beim Verlassen des Theaters zeigt, wie sorgfältig das Landestheater NÖ sein Augenmerk auf das jüngste Publikum richtet.

Und dann ertönt der Gong und disziplinierte Stille stellt sich ein. Schlagartig verändert sich der doch recht dürftige Raum der Theaterwerkstatt. Keine Tür oder Öffnung ist versperrt, wenn ein nach dem Drachen suchender Prinz sich als Magier der Seifenblasen entpuppt, sich fürchtende Diener des Königs durch das Publikum schleichen oder sich der gejagte Drache quer durch den Raum aus dem Staub macht oder gar das Publikum mit einer Pfauenfeder kitzelt. Ja, dann wird der Raum nicht nur zur Bühne, sondern gar zum Wohnzimmer. Du bist zu Hause. Vergisst deine Umgebung. Welch stärkeres Empfinden könnte Theater vermitteln?

Mit sparsamsten Mitteln ist Isabella Suppanz eine Umsetzung der Kindergeschichte von Heinz Janisch geglückt, die ihresgleichen sucht. Plötzlich erreicht ein Kinderbuch Erwachsene, Jugendliche, Kinder bis Kleinstkinder gleichzeitig. Gespickt mit Slogans und Begriffen, sowie Musik aus der Werbung, dem Fernsehen und dem Kino, dringt das Stück in uns ein und provoziert durch seine Wiedererkennungswerte unsere Lachmuskeln. Unglaublich. Grandios.

Das Stück „Her mit den Prinzen!“ bietet jedoch nicht nur heiterste Unterhaltung sondern vermittelt auch moralische Werte.
Der König will seine Tochter vermählen, denn ein Schloss ist viel zu groß für einen König alleine. „Ich werde älter und müder“, sagt er und wünscht sich einen Prinzen für sich, für seine Tochter, für sein Volk, einen Prinzen also für alle. Doch die Tochter ist liebenswürdig aufmüpfig und spricht von Demokratie. Sie und auch die Dienerschaft möchten alles beim alten belassen.
Der König jedoch schwelgt in seinen Popup-Büchern als ob es die weltphilosophischen Werke aus Umberto Ecos Verfilmung „Der Name der Rose“ wären. Dort findet er die Erkenntnis, dass nur „so einer, der Drachen besiegt, nicht gleich die Panik kriegt“ und der im Zweikampf den Drachen besiegt, als Held auch seine Tochter bekommt. Doch, wo sind die Prinzen, die mutig genug sind? Und vor allem wo bekommt man einen Drachen her, wenn weit und breit im ganzen Land kein Drache lebt? Die Dienerschaft begibt sich im Auftrag des Königs auf die Suche und findet überraschenderweise immerhin einen kleinen zierlichen Drachen, den es zu bewältigen gilt. Und so treffen Prinzen aus aller Welt ein. Vom Prinzen von Schottland, Tirol und aus dem großen Reich der Finsternis bis zum Prinzen von Bel-Air (!)haben sie die sonderbarsten Wettstreitigkeiten gegen den Drachen zu gewinnen. Doch alle versagen und entpuppen sich nicht gerade als sehr heldenhaft: „Die meisten Prinzen sind zu vergessen. Sie wollen sich nur mit anderen messen.“
Trotzdem wird einer das Herz der Prinzessin erobern, soviel sei verraten…

Das Publikum kann sich an der hervorragenden schauspielerischen Leistung des Ensembles des Landestheaters NÖ erfreuen! Pippa Galli bezaubert als selbstbewusste Prinzessin, Helmut Wiesinger überzeugt als wohlwollender König, Paul Goga choreographiert nicht nur die Seifenblasen sondern tanzt doch glatt um die Wette mit dem Drachen, während sich beim Frühstück im Schloss die Dienerschaft Jürgen Weisert, Stefan Wilde und Hendrik Winkler in einen inbrünstigen Chor verwandelt und eine völlig neue Darbietung der Musik einer Marmeladen Werbung liefert. Nur wer den Drachen und den Prinzen spielt, soll eine Überraschung bleiben…

Litges.at / Ingrid Reichel