Archiv: Die Welt ist gross und Rettung lauert überall

Großes Haus

nach Ilija Trojanow

Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Was heißt das, Land, Haus, Familie und die gesamte bisherige Existenz aufs Spiel zu setzen, um an einem unbekannten, fremden Ort sein Glück zu suchen? Der bulgarische Schriftsteller Ilija Trojanow hat in „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ die persönliche Geschichte seiner Familie und ihrer Flucht in den Westen in Form eines modernen Märchens niedergeschrieben: Irgendwo am Rande Europas wächst Alexandar wohlbehütet inmitten seiner Familie auf. Sein Taufpate mit dem Namen Bai Dan, allerorts bekannt als „Magier des Würfelspiels“, ist ein Lebenskünstler und ein begnadeter Märchenerzähler. Er bringt Alex bei, dass er beim Würfeln das Glück stets in seiner Hand behält, wenn er nur daran glaubt. Im Land von Alex’ Kindheit herrscht jedoch ein politisches System der Fremdbestimmung und Überwachung. Sein Vater beschließt daher, mit Frau und Sohn aus dem diktatorischen Heimatland zu fliehen. Voller Hoffnung reisen sie aus dem Land ohne Zukunft und Perspektive in den Goldenen Westen. Doch das Exil entpuppt sich für Alex als Ort der Einsamkeit und Isolation. Erst als Bai Dan wie ein Bote aus der verlorenen Kindheit wieder auftaucht, entdeckt Alexandar die Vielfalt des Lebens neu. Gemeinsam begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise zurück in die Heimat und zu ihren Wurzeln.

Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, in Kenia und Deutschland aufgewachsen, lebt in Wien. Mit seinen Romanen und Essays, in denen er immer wieder die Frage um kulturelle Identitäten stellt, hat er sich längst als Kosmopolit etabliert. Der renommierte Musiker und Regisseur Sandy Lopičić wird gemeinsam mit dem Ensemble und den MusikerInnen den Roman als musikalisch-theatrale Reise auf die Bühne bringen.

Trailer - Die Welt ist groß und Rettung lauert überall

Pressestimmen

Werner Rosenberger, Kurier
... "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" nach dem Debütroman von Ilija Trojanow zur Saisoneröffnung im Landestheater Niederösterreich unter der neuen Intendantin Marie Rötzer suggeriert jedenfalls Optimismus. Nicht als Echo des Satzes "Wir schaffen das", sondern im Sinne von: So könnte die Welt sein. Und die Sehnsucht ist sowieso ein weites Land. Sandy Lopičić hat das Stück vom Fremdsein in der Fremde als musikalisch-theatrale Reise inszeniert, auf der Bühne folkloristisch begleitet vom Duo Die Strottern, Matthias Loibner (Drehleier) und Maria Petrova (Percussion). Sentimentalitäten und Seelenblues inbegriffen. Wobei Zeitsprünge, Episoden, bei denen die Figuren weniger miteinander sprechen, aber umso mehr erzählt wird, und kabarettistische Akzente wie die "Radio Asyl"-Szene mit Tim Breyvogel als durchgeknallten DJ und Klemens Lendl dafür sorgen, dass sich der samt Pause zweidreiviertel Stunden dauernde verschmitzte, groteske bis sarkastische Kommentar zum Aberwitz der Welt nicht zu sehr in die Länge zieht. ... Sohn Alex, von Stanislaus Dick adäquat naiv dargestellt, geht an der Trostlosigkeit beinahe zugrunde, er leidet an "Oblomowitis". Doch ein exzellenter Johannes Silberschneider als Würfelspiel-Magier Bai Dan holt den antriebslosen Alex zurück ins Leben und bringt ihn dazu, mit ihm durch die große weite Welt zu reisen. Denn "Rettung lauert überall". Zumindest dort, wo Menschen zu finden sind, Menschen mit Herzensbildung.

Margarete Affenzeller, Der Standard
Wir werden in die Welt gewürfelt (alle Mütter mögen diesen Euphemismus verzeihen), wie es dem Zufall gefällt. Alexandar zum Beispiel (Stanislaus Dick) landet im kommunistischen Bulgarien, im Schoß einer liebevollen, aber sich vom Regime eingesperrt fühlenden Familie. ... Das Landestheater Niederösterreich hat damit am Freitag seine erste Spielzeit unter Neointendantin Marie Rötzer eröffnet. Es wurde ein ganz urwüchsiger, frischer, auch die Musik-Affinität des Regisseurs Sandy Lopičić ausspielender Abend (live: Die Strottern), im besten Sinne unmodern. ... Ein Höhepunkt ist nach der Pause der Auftritt von Tim Breyvogel als Moderator des Senders "Radio Asyl" im Flüchtlingslager Pelferino. Während dieser als launiger Sprecher die Neuankömmlinge begrüßt ("Scusi, wir haben nicht für alle Betten"), legt er That's life auf und empfängt einen politischen Gesandten (super: Klemens Lendl von den Strottern), dem beteiligungslosen Verwalter von Menschenleben. Man verließ den Saal mit der Conclusio: Scheut nicht davor zurück, euer Leben neu zu würfeln!

Robert Eipeldauer, Badener Zeitung
... Schon am Beginn macht ein Monolog von Johannes Silberschneider betroffen. Sein eindringlicher Appell führt vor Augen, zu welchem Zynismus unsere Gesellschaft fähig ist, dass Rettung nicht zwingend "die Rettung" ist. Und macht deutlich, dass sich solche Szenarien wiederholen - auch heute, auch bei uns. Dazu passend das Bühnenbild von Michael Köpke - einem Gefängnis ähnliche, die Drehbühne umfassende Gitterstäbe. Sandy Lopicic ist nicht nur Regisseur, sondern auch Musiker. Wohl deshalb wird die Dramatik des Stückes gekonnt durch Musik betont. "Die Strottern" (Klemens Lendl und David Müller), Matthias Loibner (Drehleier) und Maria Petrova (Schlagzeug) sind außergewöhnlicher Teil des großartigen Ensembles Zeynep Bozbay, Tim Breyvogel, Stanislaus Dick, Johannes Silberschneider, Lukas Spisser und Helmut Wiesinger. Ein beeindruckendes Werk, das den Zuschauer betroffen und nachdenklich zurücklässt.

Michaela Mottinger, Mottingers Meinung
Mit einer solchen Arbeit beginnt man eine Intendanz. Marie Rötzer zeigt zum Amtsantritt am Landestheater Niederösterreich „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ nach dem Roman von Ilija Trojanow ... Sie zeigt, dass die Teilnahme eines Theaters am politischen Diskurs dieser Tage nicht den Verzicht auf Poesie bedeuten muss. Und schon gar nicht die Weglassung von Humor. ... Der Regisseur, der dies alles in eine Form gegossen hat, ist Sandy Lopičić. Er macht aus Trojanows Buch ein Schelmenstück, ein Spiel von sehnsüchtigen Herzen. Seine Figuren sind Suchende, und was sie am Ende gefunden haben werden, ist die Menschlichkeit. ... Folgerichtig ist ein Zwischenspiel in einer Flüchtlingsunterkunft das Herzstück seiner Aufführung. ... Tim Breyvogel als durchgeknallter DJ von „Radio Asyl“ und „Strotter“ Klemens Lendl gestalten diese Szene als kabarettistisches Kabinettstück. Wie sie Witz und Wirklichkeit an den Händen nehmen und kräftig Willkommen schütteln, ist sozusagen Synonym für den Abend. ... In diesen schönsten Momenten gleitet die Aufführung in die Anarchie, die Inszenierung agiert wie ein wild gewordener Zirkus ... Mit Johannes Silberschneider als Bai Dan hat man sich zwar einen hochkarätigen Gast geholt, einen Schauspieler mit unendlichem Bühnencharisma ... Den Alexandar spielt Stanislaus Dick, und wie er ihn spielt, als einen, der sich in einer Quarantäne aus Erinnerung und sich nicht erfüllender Erwartungen eingesperrt hat, ist kaum zu glauben, dass er erst im Sommer sein Studium am Wiener Konservatorium abgeschlossen hat. Lukas Spisser und – ebenfalls neu am Haus – Zeynep Bozbay sind die Eltern Vasko und Jana. ... Neben ihren Haupt- gestalten die meisten auch noch eine Anzahl skurriler Nebenrollen, Bozbay etwa eine irre Wahrsagerin, Spisser einen gefährlich komischen KDS-Agenten. Helmut Wiesinger ist unter anderem die nach Süßigkeiten süchtige Baba Slatka, die irgendwie auch der Wirt ist, je nachdem, ob Tuch auf dem Kopf oder um den Hals, der großartige Tim Breyvogel außer DJ Bogdan auch Vaters bester Freund Boro. ... Das Publikum in St. Pölten dankte dem neuen Team mit viel Applaus für einen hinreißend sympathischen und optimistisch klugen Abend. Man freut sich jetzt schon auf mehr …

Katharina Wappel, Wiener Zeitung
... Die Bühnenversion in der Inszenierung von Sandy Lopičić reizt das Märchenhafte aus und dringt mit atmosphärischen Bühnen- und Klangbildern ins Bewusstsein der Zuschauer. Die Bühne dreht sich unermüdlich, und vier Musiker (Matthias Loibner an der Drehleier, an den Geigen die Strottern, an der Percussion Maria Petrova) begleiten die Szenen andachtsvoll mit selbst entworfenen Klangmustern: zurückhaltend und von präziser Schönheit. Dabei schaffen sie es, gleichzeitig omnipräsent und doch im Hintergrund zu bleiben. ... Die stillen Momente wirken doppelt, wenn die Musik plötzlich ausbleibt ...

Ewald Baringer, ORF Niederösterreich
... Die emsig betätigte, mit ältlichem Wohnzimmer-Mobiliar und Topfpflanzen bestückte Drehbühne mit ihrem zirkusartigen Rund (Bühnenbild: Michael Köpke) ist von schweren Vorhängen mit rotschwarzem Faltenwurf und einem akustisch funktionellen Gestänge geprägt. ... Zu folkloristischer Begleitmusik (Klemens Lendl & David Müller alias Die Strottern, Matthias Loibner und Maria Petrova) und unter oftmaliger Verteilung von Schnapsgläsern wird die Handlung mehr erzählt als dargestellt. Den jungen Alexandar spielt Stanislaus Dick mit adäquater Naivität, Zeynep Bozbay und Lukas Spisser sind seine heißblütigen Eltern, Helmut Wiesinger gibt eine köstliche Großmutter Slatka ab ...

Kultur und Wein
... Das Ensemble mit Johannes Silberschneider als weiser Bai Dan, Stanislaus Dick in der Rolle des sich in Antriebslosigkeit suhlenden Alexandar Luxow und dessen Eltern Jana (Zeynep Bozbay als realistisch denkende Mutter) und Vasko (Lukas Spisser ist der unternehmungslustige Träumer) macht diese „Flucht vor der Flucht“ glaubhaft nachvollziehbar. Als Großmutter Slatka kann Helmut Wiesinger seine Herzlichkeit ausspielen und Tim Breyvogel hat mit dem goscherten DJ Bogdan in Radio Asyl einen seiner großen Auftritte. Die Strottern (Klemens Lendl, David Müller), verstärkt mit Matthias Loibner (Violine) und der Percussionistin Maria Petrova zeigen neben der berührenden Musik, mit der sie den einzelnen Situationen akustische Farbe verleihen, dass in ihnen auch tolle Schauspieler stecken. ... Dass es ein Erfolg wird, dafür spricht die Qualität, mit der „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ umgesetzt wurde, sowohl in der Besetzung, der Ausstattung als auch in der über weite Strecken doch ehrlichen und ungeschönten Auseinandersetzung mit der oben angesprochen Problematik.

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